Filmrezension: Wes Anderson’s Grand Budapest Hotel

Grand Budapest Hotel Cover

OT: The Grand Budapest Hotel; D, USA 2914; Regie: Wes Anderson; 100 Minuten; FSK: ab 12

Ich weiß noch, wie ich vor etwas mehr als zwei Jahren durch das „Musée Cinéma et Miniature“ in der Altstadt von Lyon lief. Selten gefiel mir ein Museum so gut: Auf verschiedenen Ebenen konnte man sich Ausstellungsstücke aus Filmen ansehen, Kostüme bestaunen und anschließend sogar eine Miniaturwelt erleben, an die kaum ein Kinderpuppenhaus herankommt.

Was mich damals noch beeindruckt hat, war ein rosafarbenes Hotel im Miniaturformat, unglaublich fein herausgearbeitet und schön. Daran las ich das Schild, dass dies das „Grand Budapest Hotel“ aus dem gleichnamigen Film von Wes Anderson sei.

Dieses Miniaturhotel ging mir lange nicht aus dem Kopf und wenig später sah ich besagten Film zum ersten Mal. Erst gestern habe ich ihn mir noch einmal angeschaut und muss nun einfach in diesem Blogeintrag meine Begeisterung dafür teilen!

Inhalt

Der Film hat eine Rahmen- und eine Binnenhandlung. Das bedeutet, dass es eine äußere Handlung gibt, die in der Gegenwart (im Jahr 1968) spielt. Die Handlung, die davon umschlossen wird, zeigt die Vergangenheit – die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen.

Im Prolog sehen wir eine Dame, die sich mit einem Buch an die Statue eines verstorbenen, berühmten Schriftstellers setzt, um dort zu lesen.

In der beginnenden Rahmenhandlung lernen wir besagten Schriftsteller, der namenlos bleibt, kennen: Eine hartnäckige Schreibblockade quält ihn, und diese bringt ihn dazu, in den Kurort Nebelsbad im fiktiven Staat Zubrowka in das Grand Budapest Hotel zu fahren. Dort macht er schnell die Bekanntschaft mit dem einsam wirkenden Mann Zéro Moustafa (gespielt von F. Murray Abraham), der sich als Besitzer des Hotels herausstellt.

Bei einem Essen erzählt Zéro die Geschichte des Hotels. Die Binnenhandlung beginnt.

1932 begann dieser als „Lobby Boy“, welcher vor dem Krieg in seinem Land geflüchtet ist, im Grand Budapest Hotel unter der Führung von Monsieur Gustave (Ralph Fiennes) zu arbeiten. Schnell stellt sich heraus, dass Monsieur Gustave eine besondere Person ist: Die Gunst der männlichen und weiblichen Hotelbesucher fliegt ihm zu und parfümiert ist er wie kein Zweiter. Das Hotel liegt ihm eindeutig am Herzen.

Als M. Gustave schließlich die Nachricht ereilt, dass die Witwe Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis, genannt Madame D., unter mysteriösen Umständen gestorben sei, ist er schockiert. Da er mit dieser Dame eine Liaison hatte, reisen M. Gustave und Zéro zum weit entfernten Schloss Lutz, in welchem die Testamentseröffnung der Madame D. geschehen sollte.

Dort stellt sich heraus, dass Madame D. ein äußerst wertvolles Bild an M. Gustave vererbt hat. Darüber entbrennt jedoch ein Streit mit ihrem Sohn, was dazu führt, dass M. Gustave dieses Gemälde letztendlich stiehlt und er im Gefängnis landet.

Da ich an dieser Stelle nicht zu viel von der weiteren Handlung verraten möchte, sage ich nur so viel: Zéro ist ein treuer Lobby Boy und tut alles, um M. Gustave aus dem Gefängnis zu holen. Hilfe hat er dabei von der lieben Agatha (Saoirse Ronan), in die sich Zéro verliebt. Es stellt sich außerdem heraus, dass in dem vererbten Bild mehr steckt als zunächst angenommen…

Besondere Persönlichkeiten

Wes Anderson versteht es, besondere Persönlichkeiten in seinen Filmen herauszuarbeiten. Ich kenne noch nicht alle Filme von ihm, aber die, die ich bisher gesehen habe (Fantastic Mr. Fox und Moonrise Kingdom), hatten alle besondere Menschen (oder Tiere) als Hauptdarsteller, die mir ans Herz gegangen sind.

So ist es auch hier bei Grand Budapest Hotel. Da sind vor allem drei zu nennen: M. Gustave, der ein exzentrisches Wesen hat, immer sehr akkurat erscheint und wert auf ein gut laufendes Hotel legt. Er erscheint auch egoistisch und auf seinen Vorteil bedacht, aber im Umgang mit Zéro zeigt sich, dass er für Menschen, die er liebt, ein großes Herz hat. Zéro hingegen ist zu Beginn noch ein junger Mann, der in seinem Leben schon viel mitmachen musste. Trotzdem ist er so lieb, gutherzig und hilfsbereit, sodass er einen Gegenpol zu M. Gustave darstellt. Dann wäre da noch Agatha, eine junge, mutige Frau, die ein Händchen für Konditorei hat. Sie hat einen kreativen Geist und setzt diesen auf allen Ebenen ein! Sie ist eine bemerkenswerte, junge Frau.

Die Ästhetik des Films

Nicht nur die Charaktere sind etwas ganz Besonderes. Auch die Art der Erzählung zeigt eindeutig: Hier war Wes Anderson am Werk. Anderson mag offensichtlich Symmetrie in seinen Filmen und eine bestimmte Farbgebung. Während in Fantastic Mr. Fox Rot- und Orangetöne vorherrschen, sind mit hier vor allem weiße und rosa sowie braune Farbtöne aufgefallen. Nimmt man dazu noch die Symmetrie in seinen Bildern, dann strahlt das eine ganz besondere Ruhe und Reinheit aus, die mich, so komisch es klingt, beruhigt. Da kann ich nur sagen, wie wunderschön ich die Bilder finde, die er in seinen Filmen produziert. (Daran angelehnt habe ich auch mein symmetrisches Beitragsbild, das aber bei weitem nicht so schön wie seine Bilder wirkt 😀 )

Emotionalität und Humor

Die Handlung des Films ist hochdramatisch und oftmals auch emotional. Die Geschichte Zéros muss einfach jedem ans Herz gehen, vor allem, als dieser als Erwachsener weinend zu sehen ist, weil die Erinnerungen einfach überwältigend sind. Trotz aller Emotionalität hat Anderson einen bestimmten Erzählstil, der auf viel subtilem Humor, allein durch Betonung einzelner Worte, baut. Dieser Spagat aus Humor und Emotionalität ist wieder ein Punkt für mich, der den Film so besonders macht.

Grand Budapest Hotel, was ein Werk, inspiriert von Erzählungen Stefan Zweigs ist, ist sicher einer von Wes Andersons bemerkenswertesten Filme. Aber auch die anderen, die es noch gibt (zum Beispiel Isle of Dogs, was ich im Kino leider verpasst habe), möchte ich definitiv gerne einmal sehen!

Habt ihr den Film oder andere Filme von ihm gesehen? Wie gefallen sie euch?

Frohes schauen wünscht
Eure Jacqui

 

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About mademoisellepusteblume

Hi! Ich bin Jacqui und noch sehr neu in der Welt des Bloggings. Nachdem ich mir immer vorgestellt hatte, einen Blog über Dinge zu führen, die mich und möglicherweise auch Andere interessieren, setze ich dieses Vorhaben nun in die Tat um. Momentan bin ich noch Studentin der Film- und Medienwissenschaften. Ich liebe Bücher, Filme, Serien und Musik über alles. Auch Fotografieren, Sport machen, Sprachen und die Natur erkunden gehören zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich hoffe, die einen oder anderen Leser auf eine Reise durch meine Gedanken mitnehmen zu können!

2 Responses

  1. Liebe Jacqui,

    das ist eine wunderschöne Rezension zu einem ganz wunderbaren Film. Ich habe Grand Budapest Hotel vor einiger Zeit gelesen und kann mich heute noch an den Film erinnern, er ist mir wirklich äußerst positiv im Gedächtnis geblieben. Zugegeben, der Film ist auch einfach genial.

    Nachdem ich jetzt deine Rezension darüber gelesen habe, habe ich direkt Lust, den Film noch einmal zu lesen. Auch die anderen von dir angesprochenen Filme von Wes Anderson warten noch im Regal auf mich – ich schätze, ich werde einen der nächsten Wochenenden dazu nutzen, um einen Wes Anderson-Marathon einzulegen und all seine Filme in einem Rutsch zu sehen.

    Herzliche Grüße,
    Sabrina

    Liken

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