Buchrezension: Maja Lunde – Die letzten ihrer Art

Maja Lunde - Die letzten ihrer Art

Autorin: Maja Lunde
OT: Przewalskis hest
Erscheinungsjahr: 2019
Ausgabe: Deutschsprachige Ausgabe. Übersetzt aus dem Norwegischen. 1. Auflage. München: btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House

Das Buch wurde mir vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt. Danke dafür!

Wie kann ein Ereignis von vor über 200 Jahren mit dem Ergebnis in der Zukunft zusammenhängen? Maja Lunde nimmt uns im dritten Teil ihrer Klimaquartetts mit dem Namen „Die letzten ihrer Art“ auf einer Reise vom 19. Jahrhundert bis in die nahe Zukunft im Jahr 2064. Wenn du dich für Klimaschutz, Artenschutz und eine alles umfassende Geschichte interessierst, solltest du nun weiterlesen!

Worum geht’s?

Im Jahr 1881 bekommt der russische Zoologe Michail einen Schädel eines getöteten Wildpferdes. Könnte dies der Schädel des Urpferdes sein, das man seit Tausenden von Jahren für ausgestorben hält? Mithilfe des Abenteurers Wolff wagt Michail eine Expedition in die gnadenlose mongolische Steppe, in der er die Pferde finden und einfangen will.

Ein Jahrhundert später, im Jahr 1992, reist die Tierärztin Karin mit ihrem Sohn Mathias ins Naturschutzgebiet Hustai. Während Mathias von seinem Leben mit den Drogen los- und seiner Mutter näherkommen will, hat Karin das Ziel, eine Herde der fast ausgestorbenen Przewalski-Pferde auszuwildern. Doch dieses Vorhaben hat, wie alles im Leben, seinen Preis.

Norwegen im Jahr 2064, kein ganzes Jahrhundert später. Der Klimakollaps ist eingetreten und Europa zerfällt. Viele Menschen haben ihre Heimat verlassen. Eva und ihre Tochter Isa jedoch bleiben weiter auf ihrem Hof in Norwegen, wo es noch das eine oder andere Tier gibt – unter anderem zwei Wildpferde. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist kein einfaches: Isa will gehen, Eva bleiben. Doch dann taucht Louise, eine junge Frau, auf dem Hof auf…

3 Schicksale, verwoben durch die Jahrhunderte

Zuerst scheinen alle Geschichten unabhängig voneinander zu sein. Und sie funktionieren auch für sich allein. Doch das Buch schafft es, Karin, Michail und Eva miteinander zu verbinden. Das geschieht natürlich durch die Wildpferde, die sich wie ein roter Faden durch den Roman ziehen.

Dabei finde ich, dass das Pferd, genauer gesagt das Przewalski-Pferd, das auch Takhi genannt wird, als Symbol gut gewählt wurde. Schließlich handelt es sich bei der Geschichte nicht nur um das Leben und Überleben eines Pferdes, sondern auch um das Überleben der Menschheit. Es wurde ein Tier ausgewählt, das schon als verloren galt, doch mit Willensstärke und Achtsamkeit wird die Art am Leben erhalten. Ähnliches gilt für die Menschen: Besonders eindringlich sehen wir an Eva und Isa, wie sie nach dem Klimakollaps versuchen zu überleben. Sie bleiben stark und resistent und bleiben zunächst auf ihrem Hof und tun alles, um der Natur wieder auf die Beine zu helfen.

Doch jeder der drei Protagonisten hat mit den Schwierigkeiten seiner Zeit zu kämpfen: Michail muss nicht nur einen besonders harten Winter überstehen, sondern entdeckt außerdem noch seine Gefühle für Männer, die er in der schwierigen Zeit erst einmal einordnen muss.

Karin ist nicht nur mit Herz und Seele um die Urpferde besorgt, sondern muss auch um ihren Sohn Mathias kämpfen, der ihr das Leben das eine oder andere Mal durch seine Abhängigkeit erschwert hat.

Eva hat schlussendlich nicht nur damit zu tun, der Natur zu neuem Leben zu verhelfen, indem sie zum Beispiel Blüten per Hand bestäubt, sondern auch die Beziehung zu ihrer pubertierenden Tochter wird auf die Probe gestellt. Als dann auch noch die junge Frau Louise dazukommt, wird manches noch schwerer – aber auch schöner, denn Louise soll schon bald zur Familie dazugehören.

Maja Lunde - Die letzten ihrer Art

Schreibstil und abschließende Meinung

Wie eingangs erwähnt, gehört dieser Roman zu Lundes „Klimaquartett“. „Die Geschichte der Bienen“ und „Die Geschichte des Wassers“ sind die ersten beiden Romane. Ich habe die ersten beiden Bücher noch nicht gelesen und meiner Meinung nach ist das für das Verständnis auch nicht unbedingt nötig. Wie ich allerdings gelesen habe, taucht eine Person aus den vorangegangenen Romanen in „Die letzten ihrer Art“ auf.

Durch die wechselnden Perspektiven liest sich das Buch flüssig und abwechslungsreich. Zudem wird Michails Perspektive in Form eines Reiseberichts wiedergegeben. So erfahren wir bei ihm doch noch einiges mehr über sein Innenleben als das bei Eva und Karin der Fall ist.

Am meisten gefallen hat mir Evas Perspektive. Die unbekannte Zukunft war für mich einfach besonders spannend: Wie kann die Welt nach einem Klimakollaps aussehen? Was passiert dann und müssen wir uns dann auf einen komplett anderen Lebensstil einstellen? Wie sieht dieser aus? Evas Perspektive hat das ziemlich eindringlich gezeigt. Außerdem mochte ich diesen Generationenunterschied zwischen ihr und ihrer Tochter Isa. Louise, die neu dazukommt, stellt dann wieder eine Verbindung zwischen den beiden her. Kurz gesagt: Auf diese Kapitel habe ich mich am meisten gefreut!

Was mir eher sauer aufgestoßen ist, war Michails Perspektive. Ich mochte den Typen, ganz klar; aber mir hat es absolut nicht gefallen, was für eine Emotionsshow Lunde aus seiner homosexuellen Neigung gemacht hat. Sie hat einfach so ziemlich jedes Klischee bedient, das man sich in diesem Zusammenhang vorstellen kann und es war einfach alles so überemotional, dass es leider komplett unwirklich auf mich wirkte. Komischerweise habe ich in den Kritiken bisher noch gar nichts über diesen Aspekt gelesen. Was hältst du also davon, wenn du das Buch schon gelesen hast?

Generell ist auch ein weiterer Kritikpunkt, dass das Buch doch sehr in die Länge gezogen war. Während ich am Anfang noch viel spannend fand, ist es ab der Hälfte etwas abgeflacht. Wirklich viel passiert ist da nicht mehr, es war eher ein In-die-Länge-ziehen, das zum Teil nicht hätte sein müssen.

Daher hat mir das Buch zwar gut gefallen, doch bin ich nicht zu 100 % von der Geschichte überzeugt, da ich subjektiv einige Abstriche gemacht habe.

Und nun zu dir: Kennst du die Bücher von Maja Lunde? Schließt du dich der allgemeinen Meinung an, dass die Geschichten nach und nach etwas an Schwung verlieren? Verrate es mir gerne in den Kommentaren!

Viel Spaß beim Lesen
Jacqui

Meine Bewertung im Detail

Handlung ♥♥♥♡♡

Charaktere ♥♥♥♡♡

Sprache ♥♥♥♥♡

Emotionen ♥♥♥♡♡

Gesamt 3,25/5

Ein Kommentar zu „Buchrezension: Maja Lunde – Die letzten ihrer Art

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