Buchrezension: Matt Haig – The Midnight Library

Autor: Matt Haig
OT: The Midnight Library
Erschienen: 2020 in Edinburgh: Canongate Books Ltd.
Seiten:  288

Kennt ihr das, wenn ein Buch so derartig gehyped wird, dass ihr euch das Buch zulegt und dann schon denkt: Ich kann doch hier eigentlich nicht enttäuscht werden. Nun ja, die Erfahrung zeigt mittlerweile: Doch, geht alles, auch wenn man in seinem bevorzugten Genre liest. Leider erging es mir mit „The Midnight Library“ von Matt Haig so. Zwar war das Buch vielleicht keine komplette Enttäuschung, aber im Endeffekt hatte ich mir doch mehr erwartet.

Content Note: Suizidgedanken, Suizidversuch

Worum geht’s?

Nora erlebt einen traurigen Tag. Ihre Katze ist tot, ihr wurde gekündigt und überall sieht sie nur noch die vermeintlichen Fehlentscheidungen, die sie im Leben getroffen hat. An ihrem wohl letzten Tag auf der Erde findet sie sich plötzlich um Punkt Mitternacht in der Mitternachtsbibliothek wieder. Dort bekommt sie die Chance, sich eine Fehlentscheidung herauszusuchen und ihr Leben ohne diese Entscheidung zu leben und auszuprobieren. Doch sind diese alternativen Leben wirklich etwas für sie?

Keine neue Idee

Zunächst einmal handelt es sich hier um keine neue Idee des Autors Matt Haig. Filme wie „Butterfly Effect“ zeigen alternative Realitäten, wie sie ohne eine bestimmte Entscheidung im Leben des Progatonisten verlaufen können. Spannend fand ich hier aber die Idee, dass es sich um eine Bibliothek handelt. Es gibt das „Book of regrets“ (keine Ahnung, wie es im Deutschen heißt, da ich auf Englisch gelesen habe) und in diesem stehen alle Fehlentscheidungen drin, die Nora im Laufe ihres Lebens gefällt hat. Sie darf sich pro Versuch eine davon aussuchen und schauen, wie ihr Leben ohne diese Entscheidung verlaufen wäre. Die Devise lautet: Wenn sie sich in diesem Leben nicht wohlfühlt, dann wird sie von allein wieder in der Bibliothek landen. Falls nicht, dann wird sie nach und nach vergessen, dass sie eigentlich aus einem anderen Leben kommt und das neue Leben wird sich ganz natürlich für sie anfühlen.

Das war für mich mit das Spannendste: Nora ist in ihr alternatives Leben mit vollem Bewusstsein eingetreten und bewohnt sozusagen den Körper der alternativen Nora. Meist landet sie in irgendeiner zufälligen Situation und muss erst einmal herausfinden, mit wem sie spricht, welchen Beruf sie ausübt, welche geliebten Menschen am Leben sind oder eben auch nicht. Das führte zu zum Teil witzigen Situationen und man hat mit ihr mitgefiebert, wie sie sich im neuen Leben zurechtfindet.

Das Problem an der ganzen Sache: Die ganze Geschichte war sehr vorhersehbar.

Kein spannender Charakter, Ende vorhersehbar

Matt Haig hat einen sehr flüssigen Schreibstil in „The Midnight Library“, den ich im Englischen gut verfolgen konnte. Doch leider ist Nora als Hauptcharakter für mich relativ flach geblieben. Das Gute aber ist, dass sie im Laufe der Geschichte dazulernt und sich weiterentwickelt, was für mich ein Pluspunkt beim Lesen war.

Dennoch… das Ende der Geschichte war im Prinzip von Kapitel eins vorhersehbar. Und dann macht es einfach keinen großen Spaß, wenn man bereits weiß, wohin die Reise führt. Natürlich hat Matt Haig auch viele instagrammable Zitate parat, und anhand der Menschen, die das Buch gehyped haben, habe ich mir – nicht nur anhand des Buchinhalts – das Ende gut ausmalen können. Daher wird das „Dazwischen“ am Ende nicht mehr allzu spannend, was einfach schade ist. Denn an sich finde ich, dass das Buch einen sehr guten und spannenden Ansatz hat! Definitiv möchte ich auch noch mehr von Haig lesen als „The Midnight Library“, denn ich denke schon, dass der Autor noch viele gute Geschichten zu bieten hat.

Zum Schluss muss ich leider noch bemängeln, dass es zu Beginn des Buchs keine Triggerwarnung gibt. Da Nora mehr als nur suizidgefährdet ist und es an vielen Stellen im Text um den Tod geht, wäre das auf jeden Fall angebracht gewesen. Bei Neuausgaben sollte eine solche Warnung eigentlich unbedingt vorhanden sein.

Nun seid ihr dran: Wie hat euch das Buch gefallen? Kennt ihr noch mehr Bücher von Matt Haig, die ihr empfehlen könnt? Und wurdet ihr schon einmal von einem gehypeten Buch enttäuscht? Schreibt es mir in die Kommentare!

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