Buchrezension: Anne Freytag – Das Gegenteil von Hasen

Autorin: Anne Freytag
OT: Das Gegenteil von Hasen
Erschienen: 2020 in München: Random House
Seiten: 416

Zwei Zugfahrten hat es gebraucht und ich hatte „Das Gegenteil von Hasen“ von Anne Freytag bereits durchgelesen. Warum das Buch sich so leicht hat weglesen lassen, ich aber dennoch nicht zu 100 % von der Geschichte überzeugt bin, erfahrt ihr in diesem Beitrag!

Worum geht’s?

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, doch sie gehen alle in die gleiche Jahrgangsstufe: Julia, Edgar, Leonard und Linda. Eines Tages geschieht jedoch etwas, was das Leben der Teenager gehörig durcheinanderbringt: Julia lässt ihren Stoffbeutel im Bus von der Schule nach Hause liegen. Darin ist auch ihr Laptop zu finden, den sie immer bei sich trägt, um dort ihre Gedanken zu verewigen. Der Laptop gerät in die falschen Hände – er ist nicht passwortgeschützt und schon kann der Dieb oder die Diebin auch auf ihren WordPress-Account zugreifen – in dem Julia Beiträge in Tagebuchform schreibt. Diese Beiträge hat sie nur für sich geschrieben, doch der Dieb macht Julia fortan das Leben schwer und veröffentlicht, einen nach dem anderen, die Beiträge mit den intimsten Gedanken des Mädchens.

Die Beiträge verbreiten sich unter den SchülerInnen in Windeseile – und die zuvor allseits beliebte Julia mit einem Freund, um den ihn viele Mädchen beneiden, wird plötzlich zum Mobbingopfer. Lange ist nicht bekannt, wer diese Beiträge online gestellt hat. Doch schnell wird klar – es gibt viele Menschen in Julias Leben, die Grund hätten, ihr mit dieser Aktion zu schaden…

Viele wichtige Themen

Es wird schnell klar, dass es in dem Buch viel um das Thema Mobbing geht. Nicht nur um das Mobbing Julia gegenüber, sondern auch um Julia selbst, die in der Vergangenheit einigen Schülern das Leben schwer gemacht hat und die in ihren Beiträgen nicht gerade viele Menschen in einem guten Licht dastehen lässt.

Doch auch noch andere Themen finden ihren Platz im Buch: So ist die toughe Linda, bisexuell und Edgars beste Freundin, eines von Julias Mobbingopfern gewesen. Sie hat damit zu kämpfen, dass ihre derzeitige Partnerin Momo nicht vor ihren Eltern zugeben kann, dass sie auf Frauen steht. Das knabbert auch an Linda.

Weiterhin steht auch Edgar im Fokus der Geschichte: er war einst mit Linda zusammen, nun sind sie nur noch befreundet. Er sieht Julia jeden Tag im Bus und steht heimlich auf sie – doch ihre Begegnungen im Bus bleiben meist in diesem Mikrokosmos. Dort können die beiden sich gut unterhalten, doch Edgar bedauert, dass nicht mehr aus den beiden wird. Er steht außerdem zwischen den Stühlen – denn anfangs kann seine beste Freundin Linda Julia nicht leiden, aufgrund der früheren Mobbing-Geschichte. Linda wiederum kann es nicht verstehen, warum Edgar ihr verheimlicht hat, dass er und Julia eine „Bus-Freundschaft“ haben. Sie hat das Gefühl, dass dadurch ihre Freundschaft auseinanderbricht.

Ein weiteres Thema ist die Beziehung der Teenies zu den Eltern. Aus der Perspektive fast jeder Hauptperson geht es irgendwann einmal um die Elternbeziehung. Bei der einen ist alles gut, bei der anderen sind die Eltern wahnsinnig streng, wieder andere haben ein Elternteil verloren und andere hadern mit der Erziehung der Kinder.

Zu guter Letzt spielt natürlich auch das Selbstbewusstsein und die Veränderung des Selbstwertgefühls in diesem Roman eine Rolle. So sehen sich manche mit harten Realitäten und Gedankengängen anderer Personen konfrontiert und schon hinterfragt sich der eine oder andere selbst.

Diese Themen sind alle sehr wichtig, keine Frage. Dennoch finde ich, dass bei dieser Fülle an wichtigen Themen vieles unter den Teppich gerutscht ist. Es war einfach zu viel, als dass man sich jedem Problem in seiner Gänze hätte widmen können.

Perspektivwechsel

Was „Das Gegenteil von Hasen“ besonders gemacht hat, ist der Perspektivwechsel zwischen den verschiedenen ProtagonistInnen. Das las sich sehr flüssig und hat einen Einblick in die Welt des jeweiligen Teenagers gewährleistet. Doch auch hier finde ich, dass die Autorin vielleicht zu viel gewollt hat. Vier Perspektiven, streng genommen ja sogar fünf zeitweise, sind einfach zu viel, als dass man sich auf eine Person und ihr Innenleben besonders fokussieren konnte. Am Ende hatte ich das Gefühl, jeden Menschen nur so ein bisschen kennengelernt zu haben. Am spannendsten fand ich dabei auf jeden Fall Linda, sie ist für mich eine der vielschichtigsten Charaktere in dem Buch gewesen.

Dieser Perspektivwechsel und damit einhergehend die Lebendigkeit des Schreibstils, haben trotz allem bewirkt, dass ich nur so durch das Buch geflogen bin und es trotz der Makel mit Freude gelesen habe. Ein bisschen lahm fand ich am Ende leider die Auflösung, wer den Laptop geklaut hat – aber das schien mir am Ende auch eher wie eine Art Nebeneffekt. Die eigentliche Handlung hat für mich die Entwicklung und Beziehung der Charaktere untereinander ausgemacht.

Da ich das Buch trotz Abzüge gerne gelesen habe, werde ich mir auf jeden Fall eines Tages noch mal ein Buch von Anne Freytag zur Hand nehmen. Ich habe gehört, dass die Autorin noch weitere fantastische Jugendliteratur geschrieben hat und da bin ich ja immer gerne mit dabei 😊

Ich kann „Das Gegenteil von Hasen“ in jedem Fall Jugendlichen in der Selbstfindungsphase empfehlen. Auch wenn vieles ein bisschen an der Oberfläche haften bleibt, denke ich, dass Jugendliche hier einige wertvolle Denkanstöße mitnehmen können.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Jacqui

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