Buchrezension: Suzanne Collins – The Ballad of Songbirds and Snakes

Ballad of Songbirds and Snakes von Suzanne Collins

Autorin: Suzanne Collins
OT: The Ballad of Songbirds and Snakes
Erschienen: 2020 in London: Scholastic Children’s Books
Seiten: 517

Monatelang haben viele Fans von “Die Tribute von Panem“ darauf gewartet, dass das Prequel „The Ballad of Songbirds and Snakes“ (Auf Deutsch: „Das Lied von Vogel und Schlange„) erscheint. Auch ich habe dem Termin entgegen gefiebert, denn „Panem“ hat mich, obwohl ich es erst vier Jahre nach Erscheinen gelesen habe, extrem mitgenommen und in diese futuristisch-entrückte und zum Teil sehr grausame Welt entführt. Den ersten Teil hatte ich damals in zwei oder drei Tagen verschlungen, ich habe quasi in Panem gelebt. Nun war ich natürlich gespannt, was die Autorin sich für das Prequel hat einfallen lassen.

Worum geht’s?

Die Handlung spielt 64 Jahre vor der Handlung rund um Katniss und Co. Wir erleben die zehnten Hungerspiele, die eigentlich niemand so richtig Lust hat zu sehen. In diesen Spielen wird der junge Coriolanus Snow ein Mentor sein. Er sieht seine Chance gekommen, seinen Mitschülern und den Autoritäten zu zeigen, was in ihm steckt. Ausgerechnet das Mädchen aus Distrikt 12, Lucy Gray Beard, bekommt Snow als Tribut zugeteilt.

Doch entgegen seiner anfänglichen Vorbehalte bauen die zwei Menschen eine Freundschaft zueinander auf – vielleicht sogar ein bisschen mehr als das.

Schließlich befindet sich Snow mehrfach in einer Zwickmühle, aus der er herauskommen muss. Mitgefühl für sein Tribut Lucy kreuzt sich mit seinem Bestreben aufzusteigen. Später kreuzt sich die Liebe mit seinen Pflichten, die er erfüllen muss. Doch all das macht Coriolanus Snow zu dem Mann, der er einmal werden soll…

Alles anders… und doch so vertraut

Was besonders spannend ist: Alles ist ein wenig anders, aber gewissermaßen doch vertraut. Das fängt bei den Spielen selbst an, denn diese sind in einer Art Krise. Die Bewohner Panems haben eigentlich keine Lust sie zu schauen, weswegen Snow und seine MitschülerInnen gebeten werden, Konzepte zu entwerfen, wie die Spiele mehr Zuschauer erreichen. Man merkt sofort, dass Snows Überlegungen dazu zu dem führen, was wir aus den damaligen Büchern kennen: Ein großes TV-Event, viel Show drum herum.

In diesen Spielen werden die Tribute nicht in einer schicken Unterkunft untergebracht, sie bekommen vor den Spielen noch nicht einmal ordentliche Mahlzeiten. Sie werden stattdessen wie Tiere im Zoo untergebracht, wo die Menschen sie begaffen und ihnen etwas Essbares hinreichen können. Das ist das komplette Gegenteil von dem, was Katniss und Peeta später geschieht, die vor den Spielen im Kapitol im Prinzip besser leben als in ihrem Distrikt.

Ganz besonders geht es in diesem Buch natürlich um Coriolanus Snow. Hier wird sehr eindrucksvoll gezeigt, wie er zu dem späteren Tyrann wird, der mit Rosen seinen Geruch nach Blut abdecken muss. In gewisser Weise lernen wir den gleichen, gleichzeitig auch einen ganz anderen Snow kennen. Er tritt im jungen Alter schon so kultiviert auf, wie später als Präsident. Doch als junger Mann zeigt er deutlich mehr gute Seiten. Ich finde es gut, dass die Autorin die Strategie gewählt hat, ihn zunächst als guten Menschen darzustellen, denn das entspricht meiner Meinung nach mehr der Realität. Es ist wie im echten Leben: Historische Personen, die Böses getan haben, haben ebenso Dinge getan oder Eigenschaften an sich, die gut sind. Die Menschheit ist immer wieder überrascht, wenn ein Massenmörder mit Kindern besonders gut umgehen konnte oder andere Eigenschaften hat, die nicht in das Bild eines reinen „Bösen“ passen. Doch Überraschung: Die meisten Bösen sind eben auch nur Menschen, wobei gute Eigenschaften selbstverständlich nicht entschuldigen, was später Schlimmes getan wurde.

Coriolanus wird stark geprägt von den Umständen, in denen er aufwächst: Seit dem Krieg ist seine Familie verarmt, Kohl und Bohnen gehören zu den täglichen Gerichten auf der Speisekarte. Nach außen hin versucht Snow aber den Schein zu wahren, um nicht als Verlierer dazustehen. Geprägt wird er auch von den Personen um sich herum. Er spürt es, wie sich Tyrannisierung anfühlt am eigenen Leib. Andere Menschen tun das Falsche aus den richtigen Gründen, aber Coriolanus muss schließlich entscheiden, welchen Weg er gehen will.

Liebe und Freundschaft sind dabei zwei wichtige Bausteine, die in dieser Zeit zusätzlich für Verwirrung sorgen. Mit Lucy Gray Beard hat Snow ein besonderes Tribut bekommen, mit welchem er über die Zeit schließlich mehr verbindet als zunächst gedacht.

Lucy erinnert dabei auch ein bisschen an Katniss: Stark, eigensinnig und klug, aber auch verletzlich und misstrauisch ist dieses junge Mädchen, das wie Katniss in Distrikt 12 lebt. Sogar ein Wortspiel mit Katniss‘ Namen taucht im Zusammenhang mit Lucy einmal auf.

Das Lied von Feuer und Schlange

Der Schreibstil

Im Gegensatz zu den ersten drei Bänden wird hier nicht in der Ich-Perspektive erzählt, sondern ein personaler Er-Erzähler zeigt uns die Geschichte aus Snows Perspektive auf. Der Schreibstil von Autorin Collins ist wie gewohnt gut zu verfolgen. Es ist immer eine Grundspannung da, die ich damals schon gespürt habe. Dadurch kann man das Buch kaum aus den Händen legen; man muss einfach wissen, wie es weitergeht!

Eine Besonderheit sind in diesem Band die kleinen Anspielungen auf die damaligen Bände. Hier ein Wortspiel, da ein Versatzstück, dort ein Hinweis auf die späteren Spiele. Leicht und nicht aufdringlich nimmt uns die Autorin an die Hand und gibt uns LeserInnen ein paar schöne Erinnerung an damalige Lesemomente, die uns im Kopf geblieben sind.

Eine besondere Rolle spielt hier auch die Musik, da Lucy zu einer Gruppe von Musikern aus Distrikt 12 gehört. So werden immer wieder Songtexte in Gedichtform im Buch untergebracht. Zum Teil gibt es diese Lieder wirklich, zum Teil wurden alte Liedtexte an das Buch angepasst. Auch hier begegnen wir einem bekannten Lied, das später noch eine Rolle in den anderen Büchern spielt und die Entstehung dessen wird uns dabei bewusst.

Abschließende Worte

Das Buch „The Ballad of Songbirds and Snakes” von Suzanne Collins hat wirklich nicht zu viel versprochen. Meine Erwartungen haben sich vollkommen erfüllt, auch wenn ich eine größere Bindung zu Katniss und Co. habe als zu Snow und Lucy (was aber auch vollkommen okay ist, da wir ja alle wissen, was aus dem Mann wird und es da von vornherein schwierig ist, sehr viel Sympathie aufzubauen).

Besonders überrascht und gefallen hat mir der Schreibstil. Die personale Erzählstruktur hat gut zu dem Buch gepasst. Als LeserInnen identifizieren wir uns mehr mit jemanden, wenn in der Ich-Perspektive erzählt wird. Bei Snow muss das nicht erreicht werden. In der personalen Erzählperspektive haben wir zwar den Bezug zu Snow, aber am Ende doch noch genügend Distanz.

Dass die Autorin uns durch Bedeutungen zwischen den Zeilen und kleinen Hinweisen immer mal wieder an Katniss‘ Geschichte erinnert hat, war besonders schön, weil es nie zu aufdringlich wurde.

Zum Schluss noch etwas zur Gestaltung des Buchs: Die Englische gebundene Version ist schön fest gebunden, sodass es mit dem dicken Buch keine Probleme gab. Die Gestaltung des Einbands (gelb mit einer Schlange darauf) sowie der Schutzumschlag gefallen mit besonders gut und passen zu meiner schon vorhandenen Trilogie auf Englisch. Auch innen wurden die Kapitelanfänge immer mit einer gezeichneten Schlange illustriert – ein schönes Extra, wie ich finde.

Nun bist du dran: Wie hat dir das Buch gefallen? Hat es deine Erwartungen erfüllt und wie hat sich dein Blick auf Snow möglicherweise verändert? Erzähl es mir gerne in den Kommentaren!

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