Buchrezension: Trevor Noah – Born a Crime. Stories From a South African Childhood.

Trevor Noah - Born a Crime

Autor: Trevor Noah
OT: Born a Crime. Stories From a South African Childhood.
Erschienen: 2016 in New York: Spiegel & Grau International Edition.
Seiten: 288

Nachdem das Thema „Black Lives Matter“ im Sommer dieses Jahres förmlich durch die Decke ging, fing ich an, mich eingehender mit dem Thema Rassismus und Lebenswirklichkeit von People of Colour auseinanderzusetzen. Das Thema war selbstverständlich schon immer wichtig, aber zu diesem Zeitpunkt habe ich beschlossen, mich noch mehr aktiv damit auseinanderzusetzen und in diesem Zuge auch mehr Bücher von People of Colour zu lesen und auf meinem Blog zu besprechen.

Eine liebe Freundin hat mich im Sommer auf Trevor Noahs Buch „Born a Crime“ aus dem Jahr 2016 hingewiesen. Das Buch wurde vom Komiker Trevor Noah geschrieben, der in Amerika bekannt ist aus der „Daily Show“.

Worum geht’s?

Trevor Noah nimmt uns, wie schon der Titel des Buchs sagt, mit in seine Kindheit, die er in Südafrika verbracht hat. Noah wurde als Sohn von Patricia Nombuyiselo, einer südafrikanischen Xhosa, und Robert Noah, einem eingewanderten Deutschschweizer, geboren. Nach den Gesetzen der damals noch geltenden Apartheit war diese Geburt eigentlich ein Verbrechen, weswegen Noah sein Buch auch „Born a Crime“ genannt hat.

In seinem Buch erzählt der Autor viel über seine Kindheit, die er bei seiner Großmutter in Soweto (eine Township-Siedlung im Südwesten Johannesburgs) und bei seiner Mutter in Johannesburg verbracht hat. Sein Vater zog zurück in die Schweiz und erst sehr viel später hatte er wieder Kontakt zu ihm.

Noah erzählt von den Schwierigkeiten als ein Kind, das weder weiß, noch „richtig“ schwarz. Er sah sich selbst schon immer als Schwarzer, doch andere Kinder sahen das eben nicht so. So hatte er in der Schule manchmal Probleme, Anschluss zu finden, wusste nicht, zu welcher Gruppe er sich dazustellen soll.

Doch Noah ist klug: Er spricht sieben Sprachen und kann sich so auch mit Menschen, die nur in südafrikanischen Sprachen kommunizieren, verständigen. Das öffnet ihm Wege, zum einen in der Schule und zum anderen auch nach der Schule, wo er sich zunächst als DJ mit Freunden zusammen durchschlägt.

Auch über die Erziehung, das Leben der Menschen in Südafrika und über Gewalt, innerhalb der Familie und außerhalb, erfahren wir viel in seinem Buch.

Viel gelernt

Der Freundin, die mir das Buch empfohlen hat, habe ich mein Leseerlebnis so zusammengefasst: „Man nimmt eine ganz andere Perspektive ein und lernt viel dazu“. Natürlich haben wir in der Schule etwas über die Apartheit gelernt. Ich wusste, worum es dabei geht und doch war es so, dass vieles mir erst beim Lesen des Buchs bewusst wurde. Dass es für „illegal geborene Kinder“ so schwer sein kann, Anschluss zu finden. Dass es bei der Masse an Sprachen in einem Land zu Kommunikationsproblemen kommen kann. Dass Geld einen ganz anderen Stellenwert hat, ebenso wie Gesundheit. Und dass Hitler bei weitem nicht der schlimmste Name ist, dem man einem Kind in Südafrika geben kann.

Ich glaube, dass man wirklich eine ganz andere Perspektive einnimmt, wenn man ein so persönliches Buch liest, das auf realen Erfahrungen beruht. Außerdem denke ich, dass so ein viel differenzierteres Bild von Afrika in den Köpfen entstehen kann. Denn, und auch das musste ich leider vermehrt feststellen, es wird aus unserer eurozentrischen Sicht oftmals das Bild von „einem Afrika“ vermittelt. Als wäre Ägypten gleich Südafrika gleich Somalia. Nein, das ist es nicht. Jedes Land hat seine eigene Geschichte. Man sollte nicht fragen „Wie ist die Situation momentan in Afrika?“ Wir sollten uns stattdessen häufiger mit Details auseinandersetzen. Und auch die Medien sollten das häufiger beherzigen.

Mir hat das Buch in jedem Fall geholfen, zu lernen. Über das Leben unter der Apartheit, sowohl was Erwachsene als auch Kinder betrifft. Die Literatur war unglaublich bereichernd, aber dennoch nicht unentwegt belehrend. Der Autor hat einen so angenehmen Schreibstil, sodass ich nur durch das Buch geflogen bin. Da Noah außerdem Komiker ist, merkt man dies auch seinem Buch an. So manche Momente lassen den Leser zwischendurch auflachen und sich über eine Begebenheit freuen, was zwischendurch für den sogenannten „comic relief“ sorgt, also ein Aufatmen innerhalb einer schweren Thematik. Am Anfang jedes Kapitels stellt Noah zudem einen Fakt vor, der dann im folgenden Kapitel aus seiner persönlichen Sicht weiter vertieft wird. So hat man immer zunächst etwas Hintergrundinfo, bevor man tiefer in das jeweilige Thema hineingeht.

Born a Crime“ kann ich wirklich nur als eines meiner Jahreshighlights bezeichnen! Auch auf Deutsch ist das Buch zu haben, hierzulande heißt es „Farbenblind“. Schaut auch gerne seine Videos auf Youtube aus der „Daily Show“ an!

Hast du das Buch von Trevor Noah gelesen? Kannst du noch andere Bücher von AutorInnen aus afrikanischen Ländern empfehlen? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Jacqui

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