Buchrezension: Arabelle Sicardi und Sarah Tanat-Jones – Queer Heroes. 53 LGBTQ-Held*innen. Von Sappho bis Freddie Mercury und Ellen DeGeneres

Arabelle Sicardi: Queer Heroes

Autorinnen: Arabelle Sicardi und Sarah Tanat-Jones
OT: Queer Heroes
Erschienen: 2020 in München: Randomhouse
Seiten: 64

Jedes Jahr im Juni wird der Pride Month überall auf der Welt gefeiert: Dieser wird in Gedenken an den Stonewall-Aufstand im Juni 1969 gefeiert, als sich sexuelle Minderheiten erstmals in einer Szenebar gegen Polizeigewalt wehrten und somit ein Wendepunkt im Kampf um Gerechtigkeit für diese Minderheiten erreicht wurde.

In diesem Zusammenhang gibt es immer wieder große Namen, die fallen, wenn wir von den Personen reden, die sich besonders für den Kampf um Gerechtigkeit einsetzen. In dem Buch „Queer Heroes. 53 LGBTQ-Held*innen“ von Arabelle Sicardi und mit Illustrationen von Sarah Tanat-Jones werden einige dieser Held*innen vorgestellt.

Was bedeutet LGBTQ?

LGBTQ ist eine englische Abkürzung, die für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans* und Queer steht, also diejenigen, die zu der LGBTQ-Community gehören.

Oftmals wird der Begriff auch erweitert verwendet, zum Beispiel LGBTQIA+, wobei das I für Intersexual steht, A für Asexual und + steht für weitere Spektren von Sexualität und Geschlecht, für die es (noch) keine Worte gibt. Wichtig sind diese Abkürzungen, damit unter anderem auch sprachlich stets jeder eingeschlossen wird und niemand außen vor ist.

Sicher ist dies ein Begriff, den es noch nicht allzu lange gibt – jedoch gibt es Menschen, die sich bestimmten Gruppen zuordnen, schon immer. Und so stellt uns Arabelle Sicardi auch berühmte und mal weniger berühmte Persönlichkeiten durch verschiedene Epochen hinweg vor.

Queer Heroes

Wie der Titel des Buchs schon sagt, werden in diesem illustrierten Buch 53 Held*innen vorgestellt, die sich in ihrem Leben für die Rechte von LGBTQIA+ eingesetzt haben oder es immer noch tun.

So wird meist eine Seite einer Persönlichkeit gewidmet. Eine Illustration ziert die Seite und darunter ist in einem kurzen Text die Geschichte dieses Menschen in Kurzform zu lesen. Natürlich erfahren wir auch, wie sich diese Person in dem Bereich einsetzt oder was sie bewirkt hat.

Zwei HeldInnen der LGBTQ-Bewegung: Emma Gonzalez und James Baldwin

Wir finden hier einige berühmte Persönlichkeiten, wie zum Beispiel die Sängerin Sia, die Schauspielerin Kristen Stewart und natürlich auch Freddy Mercury und Ellen DeGeneres. Doch nicht nur die berühmtesten Menschen sind hier aufgelistet, sondern auch solche, von denen ich bisher (leider) noch nie etwas gehört habe. So zum Beispiel Yotam Ottolenghi, gebürtig aus Israel, der sich als Journalist und Koch mit Kochbüchern einen Namen machte. Er und sein Partner Allen gehen offen mit ihrer Sexualität um und haben es dieser Offenheit zu verdanken, dass sie ihren Wunsch wahr machen und zwei Söhne großziehen können.

Auch die Geschichte von Jóhanna Sigurdardóttir war eine spannende für mich: sie ist das dienstälteste Mitglied im isländischen Parlament, die erste weibliche Premierministerin ihres Landes und eine der ersten offen homosexuellen Regierungscheffinnen weltweit. Sie hat sich in ihrem Land für feministische und homosexuelle Belange in Island stark gemacht und dafür gesorgt, dass ihr Land eine weltweite Vorreiterrolle in Bezug auf Gleichberechtigung eingenommen hat.

„Der beste Rat, den ich jemals bekommen habe, lautet: sei der Mensch, den du gebraucht hättest, als du jung warst.“

Dass so viele eher unbekanntere Persönlichkeiten mit in dieses Buch genommen wurden, hat für mich den Effekt, den die Autorin in ihrer Einleitung nennt: Junge Menschen brauchen reale Vorbilder, gerade wenn es um die Identitätsfindung geht. Das ist mit dieser Mischung aus berühmten und weniger berühmten Persönlichkeiten gelungen.

Dahingegen habe ich mich allerdings bei manch anderen Personen gefragt, warum genau diese ausgewählt wurden. Dass Leonardo Da Vinci oder Michelangelo mit aufgenommen wurden, ist zwar geschichtlich sehr interessant, doch sind deren sexuelle Orientierungen umstritten und nicht abschließend bewiesen, was es aus meiner Sicht doch etwas schwer macht, sie mit in dieses Buch aufzunehmen.

Wunderschöne Aufmachung und Glossar

Dieses Buch wurde von Sarah Tanat-Jones wunderschön illustriert. Jede Persönlichkeit hat ein ihn oder sie repräsentatives Porträt erhalten und manchmal greifen kleine Illustrationen im Hintergrund die Geschichte der Person auf. So gibt es mit jeder Seite nicht nur Spannendes zu erfahren, sondern auch noch etwas für das Auge.

LGBTQ-Heldinnen

Wertvoll macht das Buch außerdem die persönliche Einleitung sowie das Glossar hinten im Buch, in dem alle wichtigen Begriffe zu diesem Thema noch mal aufgegriffen und kurz erklärt werden. Somit ist das Buch auch und vor allem für Jugendliche geeignet, die sich erstmals mit diesem Thema auseinandersetzen und Antworten auf ihre Fragen suchen. Selbstverständlich lernen aber auch Erwachsene einiges hinzu. Aufgrund der kurzen Texte kann das Buch als Anstoß genutzt werden – wer sich für eine Person besonders interessiert, kann sich noch weiter informieren, denn die kurzen Texte können natürlich nur einen ersten Einblick geben.

Queer Heroes“ ist ein wundervolles Buch, das uns die kleinen und großen Held*innen der LGBTQ-Bewegung aufzeigt und uns einen kleinen Einblick in deren Leben gibt. Neulinge, die erst anfangen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist das Buch ebenso zu empfehlen wie denen, die bereits umfassende Kenntnisse haben.

Und nun seid ihr dran: Wer ist euer LGBTQIA+-Held*in? Gibt es jemanden, der deiner Meinung nach unbedingt in dieses Buch aufgenommen werden müsste? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

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