Buchrezension: Gesa Neitzel – The Wonderful Wild

Gesa Neitzel - The Wonderful Wild

OT: The Wonderful Wild. Was ich von Afrikas Wildnis fürs Leben lerne
Autorin: Gesa Neitzel
Erschienen: 2019 in Berlin: Ullstein Buchverlage
Seiten: 252

In einer Welt, die hektisch und laut ist, sehnen wir uns oftmals in eine viel ursprünglichere Welt zurück. So bequem es sich auch in der Zivilisation lebt: manch einer von uns hat sicherlich schon mal den Gedanken gehabt, wie es wäre, einfach auszusteigen. Die Autorin Gesa Neitzel erzählt in ihrem Buch „The Wonderful Wild“ davon, wie sie ebenso dieses Bedürfnis hatte – und wie sie schließlich neue Kraft aus der Wildnis Afrikas schöpfte.

Worum geht’s?

Vor einiger Zeit habe ich schon einmal ein Buch der Autorin vorgestellt: In „Frühstück mit Elefanten“ erzählt sie, wie sie in Südafrika eine Ausbildung als Rangerin machte und wie sie somit ein Stück ihrer Persönlichkeit (wieder)fand.

The Wonderful Wild“ ist in vielerlei Hinsicht ein ganz anderes Buch. Wie im Vorgänger ist auch hier die Liebe zur Natur, und vor allem zur afrikanischen Wildnis, zu spüren. Doch hier geht es um eine sehr persönliche Reise. Die Reise zu sich selbst, die Rückbesinnung zur Natur, dazu, wie diese unsere Gedanken und Taten beeinflussen kann.

Die Autorin sagt klar und deutlich, dass sie hier ihren eigenen Weg und ihre eigenen Gedanken dazu aufschreibt. Sie sollen ein Anstoß für Leserinnen und Leser sein, aber sie will nicht belehren und gesteht zu, dass jeder andere Methoden hat, die ihm liegen oder eben auch nicht liegen. Das ist vollkommen okay so – jeder muss einfach für sich selbst entscheiden, ob und wie er die Natur, die Wildnis, in sein Leben lassen möchte.

In ihrem Buch spricht die Autorin mehrere Themen an, die sie auf ihrem Weg zu einem bewussteren und erfüllteren Leben begleitet haben. So spielt nicht nur die reine Wildnis Afrikas eine Rolle, sondern zum Beispiel auch Umweltschutz, Spiritualität und die Weiblichkeit.

Der innere Elefant

Zu Beginn schafft die Autorin ein Symbol für ihre innere Stimme. Ein Symbol, das ich mit absoluter Freude auch für mich direkt übernommen habe: Der innere Elefant ist das Tier der inneren Stimme, der inneren Weisheit. Ein Elefant ist ein sehr intuitives Tier. Er hat das größte Gehirn unter den afrikanischen Wildtieren und weiß ganz genau, was er als nächstes tun möchte. Elefantenkühe sind außerdem bekannt für ihren großen Beschützerinstinkt.

Das perfekte Symbol für die eigene innere Stimme, wie ich finde! Ab und zu lohnt es sich, auf den eigenen, kleinen Elefanten zu hören und sich zu fragen, wie er sich fühlt und was er als nächstes tun möchte. Unser Bauchgefühl betrügt uns nur selten; da ist es logisch, sich von Zeit zu Zeit auch einmal darauf zu verlassen.

Im Buch nutzt die Autorin übrigens einen gemalten Elefanten an der einen oder anderen Stelle als Zeichen dafür, dass es Zeit ist, das Buch einmal bewusst aus den Händen zu legen. Man kann sich danach natürlich mit dem Gelesenen beschäftigen oder es für den Moment gut sein lassen und sich den Gedanken aus dem Buch später wieder widmen. Eine schöne Idee, wie ich finde!

Gesa Neitzels Buch mit Pflanzen

Spiritualität

Das Buch hat mich an der einen oder anderen Stelle an spirituelle Lektüre erinnert. Das ist meiner Meinung nach aber nicht schlimm, denn für die Autorin gehört dies zu ihrem eigenen Weg dazu. Für mich ganz persönlich war der Anteil an Spiritualität sehr passend gewählt, ich habe mich nicht überrannt gefühlt, sondern eher abgeholt bezüglich der Themen, die mich auch persönlich interessieren.

So erzählt Gesa Neitzel von der inneren Bestimmung des Menschen und dass ihrer Meinung nach auch diejenigen, die diese nicht zu kennen scheinen, diese im tiefsten Inneren bereits haben. Dass es Menschen gibt, die diese Bestimmung schon von klein auf kennen, ist genauso okay wie die Tatsache, dass andere Menschen Jahre brauchen, bis sie diese gefunden haben. Die Autorin ist der Überzeugung, dass wir Menschen dieser Bestimmung auch unseren Beruf widmen sollten. Das mag natürlich nicht immer genauso möglich sein; aber ich gebe ihr Recht, wenn sie sagt, dass wir einen Großteil unseres erwachsenen Lebens mit Arbeit verbringen. Dann sollte diese uns zumindest auch zu einem gewissen Teil erfüllen.

Auch dass gewisse Dinge Zeit brauchen, wird zur Sprache gebracht. Die Autorin vergleicht unsere Ideen mit einem Garten: In diesen können wir unsere Ideen als Samen einpflanzen. Manchmal braucht es dann eine gewisse Ruhe, etwas Abstand und das Loslassen, bis diese Idee gereift ist und geerntet werden kann. Ein wunderschönes Bild, wie ich finde.

Natur- und Umweltschutz und warum wir Vorbilder feiern sollten

Ein Thema, das mich sehr berührt hat, ist der Natur- und Umweltschutz. Viele Menschen, die naturverbunden sind, wissen auch, dass es um unsere Erde nicht so gut bestellt ist. Was mich zum Nachdenken gebracht hat, ist, dass die Autorin anspricht, wie schnell wir andere Menschen doch für ihr Nichtstun verurteilen. Manch einer glaubt, „erleuchtet“ zu sein und fragt sich, warum es manche Menschen einfach immer noch nicht kapiert haben, wie schlimm es um die Umwelt/die Meere/den Plastikmüll steht.

Doch wir sollten Menschen, die kleine Schritte machen, für diese Schritte dankbar sein. Warum regt sich manch einer über den Veganer auf, der sich trotzdem eine Ledertasche gekauft hat, obwohl er selber kein Stück für den Tierschutz tut? Warum muss sich manch einer über den Nachbarn, der versucht, Müll zu vermeiden, aber sich ein neues Smartphone gönnt, aufregen? Es stehen dann nicht die „wahren“ Umweltsünder oder die Fleischesser in der Kritik, sondern diejenigen, die einen kleinen Teil beitragen, aber in mancherlei Augen einfach noch nicht genug beitragen.

„Es ist ehrenhaft, notwendig und wichtig, dass sich immer mehr Menschen darum bemühen, das Richtige zu tun […]. Aber wenn dabei immer der Gedanke mitschwingt, dass alle anderen nutzlose Egoisten sind, denen endlich mal jemand zeigen muss, was es heißt, ein guter Mensch zu sein, dann verfehlen wir leider das Thema. Ich beginne zu begreifen, dass ein Unterschied darin besteht, ein Leben zu führen, das aus einer Quelle des Guten entspringt, und einem Leben, das gut aussehen soll, nur damit ich mich selbst erhaben fühlen kann.“ (S. 165)

Mit diesem Zitat will ich meine ausführliche Rezension abschließen.

The Wonderful Wild“ ist eines dieser Bücher, die lange nachklingen und über die man lange über das Lesen hinaus nachdenkt. Gesa Neitzel steckt mit vielen ihrer Ideen an und regt außerdem dazu an, über das eigene Leben, über seine Taten und Gedanken nachzudenken.

Jedem, der sich über den Sinn des Lebens, über die eigene Natur und seine Bestimmung Gedanken macht, kann ich dieses wunderbare Buch absolut empfehlen! Für mich ist es definitiv eine Herzenslektüre geworden, die ich sicher auch zwischendurch immer mal wieder herausholen werde, um einzelne Kapitel zu lesen.

Und nun seid ihr dran: Glaubt ihr, dass ihr eure Bestimmung im Leben schon gefunden habt? Wenn euch diese Frage zu persönlich ist, könnt ihr mir auch gerne schreiben, ob ihr bereits eines der Bücher der Autorin schon gelesen habt oder es noch vorhabt 😊

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