
Autorin: Britney Spears
OT: The Woman in Me
Erschienen: 2023 in München: Penguin Random House Verlag
Seiten: 288
“Hit me Baby, One More Time”, “Toxic”, “Oops I Did It Again” – bei uns allen klingelt es sicherlich, wenn wir diese Titel hören. Britney Spears hat in den späten 90ern und frühen 2000er Jahren Einzug in die Medienwelt und damit auch in viele Kinderzimmer gefunden. Sie ist eine wahre Pop-Ikone gewesen – bis sie von so vielen Menschen fallen gelassen wurde und ihr Vater die Vormundschaft über jedes Detail in ihrem Leben erlangte. Doch nun ist Britney frei und hat mit ihrer lang erwarteten Autobiographie „The Woman in Me“ endlich ihre Version der Geschichte zeigen können. Ich durfte das Buch als Rezensionsexemplar lesen und habe es fast in einem Rutsch durchgelesen.
Vom kleinen Mädchen mit den großen Träumen
„Nur die Musik ließ dieses Rauschen verstummen, gab mir neue Zuversicht und führte mich an jenen wunderbaren Ort, an dem ich mich so ausdrücken konnte, wie ich wollte, und so sein durfte, wie ich von anderen Menschen gesehen und gehört werden wollte.“ (Kapitel 1).
Schon früh im Buch wird klar, dass Britney als Kind ein kleines Energiebündel war. Sie hat das Leben, das Kreativsein, das Singen geliebt – und gewissermaßen hat sie sich dieses kleine Mädchen mit den großen Träumen immer bewahrt. Ihre ersten großen Erfahrungen hat sie, wie ja viele wissen, im Mickey Mouse Club gesammelt. Dort hat sie auch Justin Timberlake, Christina Aguilera und Ryan Gosling kennen gelernt. (Ich finde es immer wieder interessant, wie viele Kinder von damals zu richtigen Berühmtheiten geworden sind).
Doch auch als Kind hat sie schon gemerkt, wie viel das Showbusiness von ihr abverlangt. Als sie in einem Musical mitspielte, durfte sie über Weihnachten eigentlich nicht nach Hause – daraufhin kündigte sie. Auch der Mickey Mouse Club war nicht immer einfach, aber definitiv das Karrieresprungbrett für Britney.
Doch sie hat auch in ihrer Jugend immer wieder die Normalität gesucht. Nach Hause kommen, Freunde treffen, Unfug anstellen, Jungs kennenlernen:
„Von solchen Momenten abgesehen, hatte diese Phase meines Lebens etwas wunderbar Normales: zum Homecoming und zum Prom gehen, in unserer kleinen Stadt herumfahren, ins Kino gehen.“ (Kapitel 7)
Fleißige Musikerin und erster Rückschlag
Britney war unglaublich arbeitswillig. Sie wollte es unbedingt weit nach oben schaffen und war bereit, dafür alles zu geben:
„Wer mich damals kannte, hörte tagelang nichts von mir. Ich blieb im Studio, solange ich konnte. Wenn jemand Feierabend machen wollte, sagte ich immer: »Ich war noch nicht perfekt!» “ (Kapitel 8)
So hat sie alles gegeben: Songs immer wieder gesungen, bis sie perfekt waren, die Choreographie einstudiert, bis sie saß, den Körper trainiert, dass er makellos war – vor allem für die Medien.
Und dann trat Justin in ihr Leben. Die beiden kannten sich bereits aus Kindheitstagen und als Teenager haben sie sich unglaublich ineinander verliebt. Doch wie wir alle wissen, ging es zwischen Justin und Britney nicht gut aus. Was damals daraus gemacht wurde: Britney hätte ihn betrogen und verletzt zurückgelassen und er hat seinen Schmerz in seinen Songs verarbeitet.
Wie es wirklich war: Justin betrog Britney und machte mit ihr Schluss. Er stellte sie in Interviews als die Böse dar und ihre Seite wurde nicht einmal angehört. Er hat seine Machtposition genutzt, um seine Solokarriere so richtig anzukurbeln. Immer wieder gab es böse Referenzen in seinen Songs, die sie als „Schlampe“ dargestellt haben. Es hat mich einfach so schockiert, zu lesen, mit wie viel Schmerz Britney zurückgelassen wurde. Während Justin von der Welt gefeiert wurde und als der Goldjunge galt, war Britney die böse Frau, die ihm eins auswischen wollte.
Der feine Unterschied
Wir wissen alle, dass der Anfang der 2000er Jahre keine gute Zeit für weibliche Stars war. Diversität wurde noch nicht sehr großgeschrieben, weder was die Hautfarbe betrifft, noch was Körperformen anbelangt. Schnell waren vor allem weibliche Stars in den Schlagzeilen mit angeblich unvorteilhaften Paparazzi-Bildern zu sehen, auf denen sie „fett“ aussahen. Und so musste auch Britney erleben, dass sie immer wieder von den Medien als zu dick bezeichnet wurde, schlecht gekleidet oder was auch immer:
„Manche meinten, ich hätte eine gute Show abgeliefert, aber furchtbar viele Leute wollten sich nur über das knappe Outfit aufregen, das ich getragen hatte. Sie meinten, ich sei »viel zu sexy« gekleidet gewesen und deshalb ein schlechtes Beispiel für die amerikanischen Kids.“ (Kapitel 10).
Genauso erging es ihr mit ihrem Privatleben. Von Anfang an wurde sie als die Jungfrau verkauft, die mit dem Sex bis zur Ehe warten wollte, doch niemanden interessierte es, dass sie bereits seit ihrem Teeniealter sexuell aktiv war. Während ihre männlichen Kollegen Beifall bekamen, wenn sie Frauen für sich gewinnen konnten oder Sex mit weiblichen Fans hatten, wurden Frauen wie Britney für ihr menschliches Verhalten an den Pranger gestellt und als Schlampe bezeichnet. Es war eine Zeit, noch mehr als heute, in der Männer medientechnisch im Vorteil waren und sich viel weniger für das, was sie taten, rechtfertigen mussten. Doch schlimmer kommt es immer, vor allem in Britneys Fall.
Die Vormundschaft
Was mich einfach am allermeisten geschockt hat, war die Tatsache, dass Britneys Vater durch die Vormundschaft einfach 13 Jahre lang absolute Kontrolle über ihr Leben hatte. Ich war nie ein eingefleischter Britney-Fan, aber als ich vor ein paar Jahren von #FreeBritney hörte und was es damit auf sich hat, hat sich in mir schon alles zusammengezogen. Ich hatte schon so ein Bauchgefühl, dass da etwas gewaltig nicht stimmen kann und mit ihrem Buch wurde das für mich noch einmal bestätigt.
„Jede Anfrage, kam mir vor, lief über meinen Vater und Robin. Sie entschieden, wohin ich ging und mit wem. Unter Robins Aufsicht erhielt ich von der Security ausgehändigte Briefumschläge mit Medikamenten, die ich unter ihrer Beobachtung einnehmen musste. Sie aktivierten die Kindersicherung auf meinem iPhone. Einfach alles wurde eingehend überprüft und überwacht. Alles.“ (Kapitel 32)
Wie schlimm kann so ein Leben eigentlich sein? Ihr wurde das Wichtigste weggenommen: ihre Kinder und ihre Freiheit. Sie wurde, wenn sie Nahrungsergänzungsmittel heimlich nahm, in Entzugskliniken gesteckt, in denen sie von allem abgeschottet war. Ihr wurden Medikamente verabreicht, die sie nicht brauchte und die sie ausknockten. Ihr Vater bestimmte, wann und wo sie auftrat, was sie sang, was sie tragen sollte oder wann sie auf Toilette ging. Einfach alles. Für mich grenzt es fast an ein Wunder, dass sie diese Zeit überleben konnte.
Ich bin richtig emotional darüber geworden, was ihr angetan worden ist. Britney war ein Kind mit Träumen, ein Mädchen, das ihre Puppen liebte, voller Energie war und das sich als Teenager einfach gerne ausprobierte. Sie wurde eine Marionette, zuerst der Medien und dann des Patriarchats, das die ultimative Ausdrucksform in ihrem Vater fand. Sie hat so viel psychische Gewalt von ihrer Familie erleben müssen, der sie als Kind das Leben massiv erleichterte, indem sie Häuser und Autos bezahlte. Ich habe den allergrößten Respekt davor, dass sie nun als freie Frau ein neues Leben beginnen kann und dabei nicht verbittert wirkt. Sie versucht, ihrer Familie innerlich zu vergeben. Sie lebt ihr Leben und ihre Vorlieben in den sozialen Medien aus und sie darf nun endlich die Frau sein, die sie sein will – nicht mehr fremdbestimmt von allen anderen. Britney, du bist eine starke Frau, vor der man nur den Hut ziehen kann!
Ein paar abschließende Worte
Wenn ihr es bis hierhin geschafft habt, dann möchte ich an der Stelle noch kurz etwas über den Schreibstil des Buches erzählen. So wie es klingt, hat Britney dieses Buch komplett selbst geschrieben (was super ist, da es zu ihren eigenen Bedingungen geschehen ist). Leider merkt man, dass es manchmal alles ein wenig holprig klingt und bestimmte Erzählungen aus ihrem Leben ein bisschen an der Oberfläche kleben bleiben. Was ich jedoch wirklich nicht gut fand, war die deutsche Übersetzung. An manchen Stellen klingt es einfach so wortwörtlich übersetzt und nicht gut durchdacht. Zudem sind so viele Rechtschreibfehler im Buch zu finden. Das wird Britneys Geschichte einfach nicht zu hundert Prozent gerecht. Ein Buch dieses Kalibers, bei dem man auch damit rechnen kann, dass es ein Bestseller wird, hätte meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit in der Übersetzung und in Korrektorat/Lektorat gebraucht.
Abgesehen davon finde ich aber eines ganz wichtig: Dass Britney bei diesem Buch nach all dem, was sie durchgemacht hat, eigene Entscheidungen treffen durfte. Dass sie sie selbst sein durfte und dass alles zu ihren Bedingungen geschehen ist. Ich wünsche dieser Frau nur das Allerbeste!
Habt ihr die Biografie gelesen oder wollt es noch tun? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar, was ihr über „The Woman in Me“ denkt!
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