
Autor: Jeremy Renner
OT: My Next Breath: A Memoir
Erschienen: 2025 in München: Penguin Random House
Seiten: 288
Flashback zum Jahresbeginn 2023: Viele von uns, darunter vor allem eingefleischte Marvel-Fans, wurden von einer schrecklichen Nachricht überrascht. Der als „Hawkeye“ bekannte Schauspieler Jeremy Renner aus den Avengers-Filmen hat einen schweren Unfall erlitten, bei dem ihn eine Planierraupe unter sich begrub. Im Krankenhaus wird um sein Leben gekämpft.
Cut zu ein paar Monaten später: Wie durch ein Wunder überlebte der Schauspieler und kämpfte sich in kürzester Zeit zurück ins Leben. Wie er das schaffte, erzählt Renner selbst in seiner Autobiografie „My Next Breath“. Danke an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!
Worum geht’s?
Am Neujahrstag 2023 verbringt Renner, wie so viele Jahre zuvor, die Zeit zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr mit seiner ganzen Familie am Lake Tahoe. Er hat dort ein Ferienhaus und genießt die Zeit mit der Familie. Doch die Wetterverhältnisse sind unterirdisch: Viel Neuschnee ist angesagt, theoretisch soll niemand mit dem Auto auf die Straßen gelassen werden, so gefährlich ist es. Doch die ganze Familie kommt am „Haus Renner“ an, die gemütliche Familienzeit kann beginnen.
Am Neujahrstag, das ganze Haus ist noch ruhig, geht Renner mit seinem Neffen Alex vor die Tür, denn er soll beim Räumen des Schnees helfen. Für diese Zwecke hat Renner eine gewerbliche, riesige Planierraupe, die den schweren Schnee ohne Probleme räumt.
Als Neffe und Onkel schließlich dabei angekommen sind, einen Pickup von Schnee und Eis zu befreien, geschieht der Fehler: Renners Neffe Alex befindet sich zwischen Pick-up und Planierraupe. Renner verlässt die Raupe und vergisst dabei, die Handbremse zu ziehen. Ein fataler Fehler, denn das Gefährt setzt sich in Bewegung. Die Raupe fährt auf den Neffen zu und Renner trifft eine Entscheidung: Er springt auf die Raupe zurück, um sie zu stoppen. Dabei wird er jedoch von der Raupe geschleudert und schließlich von ihr überrollt.
Im Verlaufe des Buches schildert Renner, wie sein Heilungsprozess verlief, was ihm geholfen hat und an welchen Stellen er ungeduldig war. Wir gehen in diesem Buch mit ihm auf den Weg der Heilung.
Familie, ein starker Wille und ganz viel Liebe
Mehr tot als lebendig muss Renner mehrfach operiert werden und viel Schmerz über sich ergehen lassen. Im wörtlichen und übertragenen Sinne muss er erst einmal wieder atmen lernen – „My Next Breath“ – der eben nicht immer so selbstverständlich ist wie man denkt. Dabei hinterlassen die Verletzungen des Unfalls nicht nur körperliche Narben, sondern auch psychische. Mit so einer Nahtod-Erfahrung muss man erst einmal umgehen lernen.
Das schafft der Schauspieler mal besser, mal schlechter. Dank seiner ganz persönlichen, berührenden Erzählung spürt man, dass er eigentlich schnell wieder ins Leben zurück möchte, doch muss er auch einsehen, dass Heilung Zeit braucht – nicht nur die körperliche, sondern auch die seelische.
Ganz viel Halt erfährt er von seiner Familie und seinen Freunden, die, so wird im Buch an vielen Stellen deutlich, das Wichtigste in seinem Leben sind. Selten habe ich es in Biografien so erlebt, dass so sehr auf die Liebe und den Zusammenhalt der Familie verwiesen wird. Für Renner ist das ein zentraler Bestandteil im Leben, und nicht zuletzt auch einer der Gründe, warum er so viel Motivation hatte, schnell wieder auf die Beine zu kommen.
Wie er auch selbst im Buch bemerkt, war er nicht immer der einfachste Patient im Krankenhaus, denn er wollte sehr schnell sehr viel. Aufgrund dessen, dass er sicher nicht gerade wenig Geld besitzt, konnte er sogar recht schnell wieder in seine eigenen vier Wände gehen – dieses Privileg haben nicht viele Menschen, denen so etwas geschieht. Er konnte sich wichtige medizinische Geräte sowie Sportgeräte für die Genesung daheim anschaffen und auch das Personal bezahlen, das seinen Zustand regelmäßig kontrolliert und begleitet hat. Für ihn war es sicherlich die beste Entscheidung in diesem Moment.
Eine persönliche, ehrliche und berührende Geschichte
Jeremy Renners starker Wille, wieder gesund zu werden, hat ihn unglaublich schnell genesen lassen. Wo andere aufgegeben hätten, hat er durchgehalten, um wieder Teil am Leben zu haben. Nach den Schilderungen seiner Verletzungen grenzt das wirklich an ein kleines Wunder – und doch merkt man ihm an, wie bescheiden er damit umgeht, wie viel wichtiger ihm nach diesem Erlebnis auch jetzt noch so grundlegende Dinge wie Familienbeziehungen sind.
Renner erzählt manchmal roh und ungeschliffen von seinen Erlebnissen. Das macht das Buch schriftstellerisch nicht immer einfach zu lesen, manche Stellen wiederholen sich zum Teil. Doch das zeugt von einer Ehrlichkeit und auch einem gewissen Mut, sein Innerstes so sehr nach außen zu krempeln, dass man diese etwas rohe Erzählung verzeihen kann und den Schauspieler stattdessen für seinen Mut zur Offenheit bewundert.
Vor allem für Fans des Schauspielers ist das Buch interessant, doch auch ohne ihn zu kennen, ist seine Geschichte eines Unfalls und der anschließenden Heilung unglaublich inspirierend und spannend zu lesen.
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