Filmrezension: Henry Selick – „Coraline“

DVD-Cover von "Coraline"

USA: 2009, OT: Coraline. Regie: Henry Selick. 101 Minuten. FSK: ab 6.

Jaja, da ist es nur ein paar Tage her, als ich die Buchrezension zu nordischen Mythen und Sagen von Neil Gaiman veröffentlicht habe, da beschäftige ich mich schon wieder mit dem werten Autor. Nun ja, zumindest mit einer Verfilmung einer seiner Bücher. Zum wiederholten Mal habe ich mir „Coraline“ angeschaut und muss dazu nun einfach eine Rezension verfassen.

Darum geht’s

Coraline ist elf Jahre alt und zieht mit ihren Eltern in eine alte Villa, ein Mehrfamilienhaus. Die Eltern haben kaum Zeit, um sich mit dem Mädchen zu beschäftigen und so geht Coraline selbst auf Entdeckungstour. Dabei lernt sie den Nachbarsjungen Wyborne „Wybie“ Lovat und einen schwarzen Kater kennen, doch die beiden können sich nicht gerade auf den ersten Blick leiden. Auch die anderen Nachbarn sind mehr als schräg: Der russische Akrobat Mr. Bobinsky wohnt im Dachgeschoss und behauptet, er würde einen Mäusezirkus trainieren. Das Kellergeschoss bewohnen Miss Spink und Miss Forcible, zwei Varietékünstlerinnen.

Bei ihrer Erkundung findet Coraline eine kleine Tür, die jedoch verschlossen ist. Ihre Mutter findet den Schlüssel, schließt die Tür auf – doch dahinter ist nur eine Mauer zu sehen. Wenig später kommt Wybie bei Coraline vorbei und drückt ihr eine Puppe in die Hand, die er bei seiner Großmutter gefunden hat. Das Kuriose: Sie sieht Coraline erstaunlich ähnlich!

In der kommenden Nacht kommt eine Maus mit Knopfaugen Coraline besuchen und führt sie in eine andere Welt, die sich hinter der kleinen Tür befindet, wo zuvor eine Backsteinmauer war. Die „andere Welt“ sieht der jetzigen ziemlich ähnlich: Alles ist nur gemütlicher und heimeliger, das Haus ist fertig eingerichtet. Sie trifft dort sogar ihre Eltern! Komisch ist nur, dass diese Knopfaugen statt richtiger Augen haben.

Doch das Mädchen stört sich daran anfangs nicht, denn ihre „andere Mutter“ ist so viel netter als ihre Eigene! Sie bereitet ihr leckeres Essen zu, bringt se zu Bett und redet mit ihr. Coraline wünscht sich schließlich nichts mehr, als eine solche Mutter zu haben. Doch am nächsten Morgen ist das Mädchen wieder in der richtigen Welt.

Erst als bei einem der weiteren Besuche immer merkwürdigere Dinge geschehen und Coraline schließlich auch Knopfaugen bekommen soll, damit sie für immer in der Welt bleiben kann, wird sie stutzig und weigert sich, dabei mitzumachen. Was sie fortan erlebt, solltet ihr höchstselbst sehen 😉

Umsetzung

Wer mich kennt, weiß, dass ich „Alice im Wunderland“ und die Verwendung des Motivs absolut liebe. Und „Coraline“ gehört da definitiv dazu. Sie ist eine moderne Alice, die in eine andere Welt gerät. Während Alice natürlich kindgerecht gehalten ist, trifft sie auf viele Figuren, die in ihrer Psyche so manches Erwachsenenproblem verkörpern. So gesehen ist Alice im Wunderland durchaus gruselig und sehr kurios und genau dieses Motiv wird in „Coraline“ verstärkt benutzt. Coraline glaubt, dass sie in eine Welt eintritt, in der jeder ihrer Wünsche wahr wird, doch schnell muss sie sich eingestehen, dass diese Welt doch arg gruselig und Kreaturen birgt, die ihren tiefsten Ängsten entspringen.

„Pass auf, was du dir wünschst!“ Steht als Untertitel auf der DVD und das trifft die ganze Sache ziemlich gut. Nicht jeder Wunsch endet gut. Wir wissen, dass Manipulationen am Geschehenen böse ausgehen können. Genau das passiert Coraline. Ihr Traum wird binnen eines Herzschlags zum Albtraum und sie erkennt, wem ihre Loyalität wirklich gilt.

Optik des Films

Coraline“ ist eine Stop-Motion-Animation, die wirklich liebevoll umgesetzt wurde. Coraline ist charakteristisch mit blauen, kurzen Haaren, Spange im Haar und gelbem Regenmantel dargestellt. Wybie (der übrigens einen traurigen „Telling Name“ hat: Welches Kind möchte schon gerne „Wyborne“, also „Warum geboren“ heißen?) kommt als der kleine Außenseiter mit lockigem Haar und kuriosem Auftritt daher. Mr. Bobinsky ist mit langen, dünnen Armen und Beinen und dickem Bauch dargestellt. Die Varieté-Ladys sind beide dick und mit extravaganter Kleidung dargestellt. All die Figuren finden sich auch in der „anderen Welt“ als Karikatur ihrer selbst wieder. Sogar die Katze, die auf der anderen Seite sprechen kann, ist dort. Na, wer fühlt sich bei der sprechenden Katze auch an Alice und die Grinsekatze erinnert? 😉

Meine Meinung

Wieder einmal muss ich daran erinnern, dass eine FSK-Einschätzung keine Altersempfehlung für Kinder ist. Obwohl der Film „ab 6“ eingestuft wurde, würde ich „Coraline“ Kindern erst ab 10 Jahren empfehlen, denn das Verständnis, dass in der anderen Welt eine „böse Mutter“ lauert, muss auch erst mal bei den Kindern ankommen. Dann können auch die etwas gruseligeren Szenen besser verarbeitet werden.

Coraline“ ist für mich ein Film, den auch Erwachsene wirklich genießen können. Wir treten ein in eine Stop-Motion-Traumwelt, die nicht nur fantastisch aussieht, sondern auch voller spannender, individueller und charakteristischer Figuren ist, die uns schmunzeln lassen. Außerdem ist Coraline ein fantasievolles und schlaues Mädchen, das im Laufe des Films herausfindet, was wirklich wichtig und real ist. Sie trifft die richtigen Entscheidungen und findet die richtigen Freunde, die ihr zur Seite stehen.

Eine Empfehlung also für jeden, der liebevoll gestaltet Filme mag, die etwas außergewöhnlich sind!

Viel Spaß beim Schauen wünscht
Jacqui

Meine Bewertung im Detail

Handlung ♥♥♥♥♥

Charaktere ♥♥♥♥♥

Emotionen ♥♥♥♥♥

Umsetzung/Optik ♥♥♥♥♥

Gesamt 5/5

Werbeanzeigen

About mademoisellepusteblume

Hi! Ich bin Jacqui und noch sehr neu in der Welt des Bloggings. Nachdem ich mir immer vorgestellt hatte, einen Blog über Dinge zu führen, die mich und möglicherweise auch Andere interessieren, setze ich dieses Vorhaben nun in die Tat um. Momentan bin ich noch Studentin der Film- und Medienwissenschaften. Ich liebe Bücher, Filme, Serien und Musik über alles. Auch Fotografieren, Sport machen, Sprachen und die Natur erkunden gehören zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich hoffe, die einen oder anderen Leser auf eine Reise durch meine Gedanken mitnehmen zu können!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s