Buchrezension: Tim Burton – The Melancholy Death of Oyster Boy & Other Stories

Tim Burton: The Melancholy Death of Oyster Boy & Other Stories

Autor: Tim Burton
OT: The Melancholy Death of Oyster Boy & Other Stories
Erschienen: 1997 in New York: HarperCollins Publishers
Seiten: 115

Tim Burton ist vor allem bekannt als Filmregisseur und Produzent. So mancher von uns hat sicher seine skurrilen Stop-Motion-Filme wie „The Nightmare Before Christmas“ oder „Corpse Bride“ bewundert. Auch für Real-Filme wie „Alice im Wunderland“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“ oder „Edward mit den Scherenhänden“ zeichnet Burton verantwortlich. Doch die wenigsten von uns kennen ihn vermutlich als Autor! Dabei meine ich nicht nur die Drehbücher, die er verfasst hat, sondern auch sein Buch „The Melancholy Death of Oyster Boy & Other Stories“, das er im Jahr 1997 veröffentlicht hat.

Als ich nach Informationen und Material zu Tim Burton recherchiert habe vor einigen Monaten, bin ich auf dieses Buch gestoßen, das mich direkt neugierig gemacht hat. Schon allein der Titel klingt doch unglaublich spannend, nicht wahr?

Worum geht’s?

Ich war zunächst überrascht, als ich das Buch schließlich in den Händen hielt. Ich habe mich nicht groß über den Inhalt des Buchs informiert, weshalb ich dachte, dass es sich um Kurzgeschichten handeln wird. Doch dem ist nicht so: Es handelt sich um einen Gedichtband!

Und dieser hat mich unglaublich überrascht, denn der Autor bietet mit seinen mal kürzeren, mal längeren Gedichten vor allem den Außenseitern eine Bühne.

So lernen wir ein Mädchen mit starrenden Augen kennen und auch das Schicksal des Austern-Jungen erfahren wir. Der kleine Stick Boy (Strichmännchen-Junge) hat es ebenfalls nicht leicht: Eine Frau, die er mag, entfacht ein sprichwörtliches Feuer in ihm und auch zu Weihnachten geht es ihm nicht so gut: Sogar der mickrige Baum sieht gesünder aus als er.

23 Gedichte sind in diesem kleinen Band vereint und begleiten uns entweder als einzeln gelesenes Gedicht oder hintereinander weg durch den Tag.

Schräg wie seine Filme

Mein erster Gedanke bezüglich dieser Gedichte war, dass sie ebenso verrückt und skurril wie seine Filme sind. Dabei greift Burton ein Thema auf, das er auch als Filmemacher immer wieder in seine Werke einbaut: Er hat ein Herz für Außenseiter und stellt diese ins Rampenlicht. Edward mit den Scherenhänden, der Hutmacher, die besonderen Kinder von Miss Peregrine und noch viele mehr: Sie alle sind Außenseiter in seinen Filmen, Menschen, die etwas Besonderes an sich haben, aber von der Gesellschaft ausgestoßen werden.

Den Figuren im Buch geht es ähnlich: Von den Liebhabern oder gar von den eigenen Eltern werden sie zum Teil verabscheut und scheinen durch ihre Eigenartigkeit keinen Platz in der Welt zu haben. Doch Tim Burton schenkt ihnen die Aufmerksamkeit und sorgt so dafür, dass wir so manche Figur eben doch als liebenswert wahrnehmen.

Etwas Skurriles haben aber alle Geschichten an sich. Es sind natürlich überspitzte Darstellungen, die eins zu eins so nicht in der realen Welt existieren, aber durchaus für wahre Menschen stehen können.

Die Illustrationen

Zu erwähnen sind natürlich auch die herrlichen Illustrationen, die aus Burtons eigener Feder stammen und jedes Gedicht visuell unterstützen. Seinen Stil erkennt man dabei sofort wieder. Den Bildern wohnt, wie auch den Gedichten an sich, etwas absolut Schräges inne, das aber wiederum von einer Liebenswürdigkeit zeugt.

Das geschriebene Wort und die Bilder gehen Hand in Hand und spielen perfekt zusammen. Beides zusammen hat mich, trotz der einfachen Sprache, so viel fühlen lassen. Mitgefühl und Lachen über die Ironie mancher Geschichte gingen bei mir Hand in Hand und haben eine Tragikomik hervorgerufen, die ich so auch aus seinen Filmen kenne und liebe.

Und das muss ein Autor erst einmal schaffen: Mit kurzen Gedichten, einfacher Sprache und unterstützt von Bildern Emotionen hervorzurufen, ist wirklich eine Kunst.

Das Gedichtband kann ich Fans von Burtons Filmen absolut empfehlen. Die Lesezeit ist sehr schnell vorbei, wenn man alles an einem Stück liest, aber dieses Buch kann man immer wieder hervorholen, einzelne Gedichte lesen und die Bilder – bzw. die gesamte Kunst des Autors – bestaunen. Eine klare Empfehlung!

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