Buchrezension: Angie Thomas – The Hate U Give

Angie Thomas - The Hate U Give

Autorin: Angie Thomas
OT: The Hate U Give
Erschienen: 2017 in London: Walker Books Ltd
Seiten: 438

Im Juni hat jeder, der die sozialen Medien benutzt, den Blackout Tuesday sicherlich mitgekriegt. Viele haben ein schwarzes Viereck gepostet, um zu zeigen, dass sie hinter der „Black Lives Matter“-Bewegung stehen und den Kampf gegen die Ungerechtigkeit gegen BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) unterstützen. Dem vorausgegangen war in den USA Polizeigewalt gegen den Schwarzafrikaner George Floyd angewendet worden. Gewalt, die schließlich im Tod Floyds endete.

Diese Tat hat mich wachgerüttelt. Die Themen Rassismus und latenter Rassismus beschäftigt mich schon seit einiger Zeit, vor allem im Zusammenhang mit latent rassistischen Taten und Äußerungen, die von denjenigen, die sie äußern, nicht immer böse gemeint, aber dennoch nicht minder rassistisch sind. Durch diese Geschehnisse im Juni wurde mir jedoch bewusst, dass ich nicht länger im Privaten handeln und mich informieren kann. Auch ich habe eine Stimme und möchte sie von nun an selbstbewusster einsetzen, indem ich zum Beispiel mein Blog nutze, um Bücher von BIPoC vorzustellen.

Diesen AutorInnen wird in der Bloggerwelt und im Buchgeschäft noch lange nicht die Aufmerksamkeit beigemessen, die ihnen zusteht. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, damit diese Menschen gesehen werden und werde nun in unregelmäßigen Abständen immer wieder erwähnenswerte Bücher und AutorInnen vorstellen. Den Anfang macht Angie Thomas mit ihrem sehr erfolgreichen Roman „The Hate U Give“, der die Themen aus dem Juni ziemlich genau auf den Punkt bringt.

Worum geht’s?

Das junge Mädchen Starr lebt in zwei Welten: Sie wohnt mit ihrer Familie in Garden Heights, einem Stadtteil, der einkommensschwach ist und als das „Ghetto“ bezeichnet wird. Ihre „andere Persönlichkeit“ entfaltet Starr an ihrer Schule, die mit ihrem Wohnort nicht das Geringste gemein hat. Dort lernt sie zusammen mit hauptsächlich weißen Schülern und sie bemüht sich stets, nicht als „angry black girl“ zu gelten und Klischees zu bestätigen.

Ihr Leben wird durcheinander gerüttelt, als sie Zeugin einer tödlichen Schießerei ihres unbewaffneten Freundes, Khalil, wird. Sein Mörder: ein Polizist. Plötzlich muss sich Starr entscheiden, wie sie mit diesem Ereignis umgehen soll. Sie will niemanden sagen, dass sie bei der Schießerei dabei war, denn das könnte sie im schlimmsten Falle sogar umbringen…

Persönlicher Hintergrund

Interessant ist, dass Angie Thomas, die selbst eine schwarze Autorin ist, von einer Schießerei, die sie als Zeugin in ihrer Kindheit miterlebt hat, zum Schreiben und auch zu dem Buch inspiriert wurde. Ihren Bachelor legte sie im kreativen Schreiben in Jackson, Mississippi ab. Da begann sie, ihre Gedanken zu diesem Erlebnis niederzuschreiben. Der Tod Oscar Grants durch einen Polizisten im Jahr 2009 sowie viele weitere Morde machten sie wütend und traurig, sodass sie sich diesem Thema in einer Kurzgeschichte widmete.

Einer ihrer Professoren ermutigte sie schließlich, ihre Erlebnisse auch als Buch niederzuschreiben, da sie eine einzigartige Art zu schreiben hätte und sie so außerdem die Möglichkeit hätte, ihre Stimme zu benutzen und Aufmerksamkeit für dieses Thema zu schaffen.

Zwischen Teenie und Tragödie

Mich persönlich hat das „The Hate U Give“ auf so unglaublich vielen Ebenen berührt. Zum einen habe ich Starr als Person verstehen können. Sie hat einen manchmal sehr schüchternen Eindruck gemacht und ist im Buch so wie viele Teenies: Sie wollen ihren Freunden gefallen. Und sie möchte es so vielen Menschen wie möglich recht machen, auch wenn sie sich als Person dann oftmals hintenanstellt.

Dann erlebt sie auch noch eines der schlimmsten Dinge, und das schon zum zweiten Mal: Sie muss miterleben, wie eine geliebte Person von einem Polizisten getötet wird. Starrs Freund Khalil war zu diesem Zeitpunkt unbewaffnet und wurde einfach nur für eine falsche Bewegung getötet. Diese Bürde trägt sie mit sich herum. Ihrem Freund Chris und ihren Freundinnen Hailey und Maya möchte sie nichts von dem Vorfall erzählen. Ihrer Community will sie es auch vorenthalten, damit sie nicht auch noch um ihr Leben fürchten muss, da in ihrer Nachbarschaft eine besonders gewaltsame Gang aktiv ist.

„What’s the point of having a voice if you‘re gonna be silent in those moments you shouldn’t be?”

Doch nach und nach lernt Starr, dass sich nur etwas ändern kann, wenn sie ihre Stimme erhebt. Und das tut sie in zweierlei Hinsicht: Sie stellt sich an die Spitze einer Bewegung, die Gerechtigkeit für Khalil fordert und sagt gegen den Polizisten aus, der geschossen hat. Sie geht sogar anonym in eine TV-Sendung für ein Interview. Auf der anderen Seite steht sie für sich selbst gegenüber ihren Freundinnen und ihrem Partner ein. Sie möchte nicht mehr verschiedene Persönlichkeiten nach außen zeigen, sondern sie will einfach sie selbst sein. Das bedeutet auch, dass sie sich von einer Freundin trennen muss, die sie mehrfach rassistisch angegangen ist und es nicht einsehen will, dass bestimmte Aussagen nicht okay sind.

Was mir besonders gefallen hat, sind die Kleinigkeiten, die im Buch mitgegeben werden. Das Aufmerksam-Machen auf Mikroaggressionen, denen sich BIPoC täglich ausgesetzt sehen. So zum Beispiel, dass es nicht okay ist, Klischees zu benutzen, um jemanden abzuwerten. Dass Klischees generell fehl am Platz sind (auch Starrs Freundin Maya, die Asiatin ist, musste das bereits erleben). Dass „all lives matter“ in der Diskussion um Black Lives Matter absolut fehlgeleitet ist.

„Are you serious right now?” Hailey asks. “What’s wrong with saying his live matters too?”

“His life always matters more” My voice is gruff and my throat is tight. “That’s the problem!”

Alles im allem sind so unglaublich viele starke Aussagen in dem Buch, die nicht nur jungen schwarzen Menschen Kraft geben, sondern jedem, der etwas gegen den Status Quo unternehmen möchte.

Noch dazu ist der Roman so wunderbar lebhaft und nah an der Jugend, aber dennoch nicht übertrieben geschrieben. So fiel es mir besonders leicht, dieser Geschichte zu folgen, die so viel Mut gemacht hat, aber auch so sehr an die Ereignisse im Juni erinnert hat. Aus diesem Grund ist „The Hate U Give“ ein unglaublich aktuelles Buch, das in diesem Jahr bei niemandem auf der Leseliste fehlen sollte.

Das Buch wurde auch schon verfilmt, jedoch habe ich den Film noch nicht gesehen bisher. Ich freue mich aber schon darauf zu sehen, wie die Geschichte umgesetzt wurde.

Wie hast du das Buch empfunden und welche Erkenntnisse hast du für dich mitgenommen? Und kennst du bereits den Film zum Buch? Schreibe es mir gerne in die Kommentare!

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Jacqui

Meine Bewertung im Detail

Handlung ♥♥♥♥♥

Charaktere ♥♥♥♥♥

Sprache ♥♥♥♥♥

Emotionen ♥♥♥♥♥

Gesamt 5/5

Ein Kommentar zu „Buchrezension: Angie Thomas – The Hate U Give

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