Buchrezension: Angie Thomas – Concrete Rose (The Hate U Give #0)

Angie Thomas' Buch "Concrete Rose"

Autorin: Angie Thomas
OT: Concrete Rose
Erschienen: 2021 in München: cbj Kinder- und Jugendbuchverlag
Seiten: 414

Wer „The Hate U Give” von Angie Thomas gelesen hat, der hat sicherlich schon mitbekommen, dass es ein neues Buch der Autorin gibt: Mit „Concrete Rose“ liefert die Autorin die Vorgeschichte, genauer gesagt die Geschichte von Starrs Vater Maverick.

Worum geht’s?

Der 17-jährige Maverick aus Garden Heights hängt viel mit seinen Freunden aus seiner Gang, den King Lords, ab. Auch Drogendealen ist kein Fremdwort für ihn, schließlich muss er sich ja irgendwie sein Geld verdienen. Das wird vor allem dann wichtig, als er erfährt, dass er unerwartet Vater geworden ist… Von nun an muss Maverick nicht nur in der Schule vorankommen, sondern auch für seinen Sohn sorgen und nebenbei auch noch Geld verdienen – und zwar im Lebensmittelladen.

Langsam findet sich der Junge zurecht in seinem Leben – bis sein Cousin André erschossen wird. Maverick ist fest entschlossen, den Mörder seines geliebten Cousins zu finden – und ihn zu rächen.

Lebensrealität schwarzer Jugendlicher

Concrete Rose“ lässt sich ganz anders an als sein Vorgänger „The Hate U Give“. Das liegt vor allem daran, dass dieser Roman auch einer männlichen Perspektive geschrieben wurde. Wir haben hier einen typischen Coming of Age-Roman, in dem es um das Erwachsenwerden eines Jugendlichen geht. Doch die Umgebung, in der Maverick aufwächst, lässt vermuten, dass es keinesfalls eine Geschichte ist, die jeder so in seiner Jugend erlebt.

Da ist zum einen, dass sein Cousin umgebracht wird. Dre, zu dem Maverick ein brüderliches Verhältnis hatte, hat ihn in der Gang beschützt. Auch, wenn es nicht ganz zu vermeiden war, so hat er doch nie gewollt, dass Maverick mit Drogen dealen muss. Durch seinen Tod stürzt Maverick in genau diese Spirale. Nicht nur, dass er mit dem Verkauf von harten Drogen in Kontakt kommt, er möchte sich auch noch für den Tod seines Cousins rächen und überschreitet dabei persönliche Grenzen.

Dabei hat er noch so viele weitere Probleme. Die Mutter seines Kindes hat das Baby bei ihm „abgesetzt“ und meldet sich zunächst viele Monate lang nicht. Mavericks Mutter hilft ihm zwar, doch ist sie der Meinung, dass ihr Sohn es auch während der Schulzeit alleine schaffen muss, sich um das Baby zu kümmern. Er benennt das Kind übrigens nach der Zahl sieben, also Seven. Erscheint dies zunächst sehr merkwürdig, so hat der Name letztendlich aber doch eine tiefe Bedeutung.

Da der Stress bis dahin aber noch nicht groß genug ist, gibt es dann noch ein weiteres Problem: Seine Ex-Freundin Lisa ist ebenfalls von ihm schwanger… eine Welt scheint einzustürzen, doch so langsam dreht sich Mavericks Leben. Er ist gezwungen, zeitig erwachsen zu werden. Er entzieht sich nicht einfach der Verantwortung, sondern versucht, sein Leben für sich selbst und für seine Kinder in den Griff zu bekommen.

Anhand seines Beispiels sehen wir zwar nicht gerade DEN typischen Lebensweg schwarzer Jugendlicher in den USA, doch er ist ein Beispiel dafür, wie es vielen Kindern und Jugendlichen ergeht. In einer Nachbarschaft zu leben, in der es ganz normal ist, dass immer wieder Menschen erschossen werden; Abhängigkeit von Gangs; der Umgang mit Menschen aus diesen Milieus in der Schule und anderen Einrichtungen; all das ist etwas, was sicherlich ein großer Prozentsatz der Kinder nicht nur damals, sondern auch heute noch erleben muss. Und am bittersten: Dass es der Polizei und Justiz egal zu sein scheint, wenn ein schwarzer junger Mann erschossen wird…

Frau im Wald mit Angie Thomas' Buch "Concrete Rose"

Sprache und Wortschatz in „Concrete Rose“

Eine große Besonderheit im Buch ist sicherlich die Sprache.

Dazu muss ich sagen, dass ich „The Hate U Give“ auf Englisch gelesen habe, daher kann ich hier nur bedingt Vergleiche ziehen.

Concrete Rose“ ist aus der Perspektive des Ich-Erzählers, also in dem Fall Maverick, geschrieben. Die Autorin möchte mit ihrer Sprache also auch die Lebenswirklichkeit des Protagonisten authentisch vermitteln. Dazu gehört eben auch, dass Satzteile weggelassen werden, dass Slang benutzt wird, dass man sich auch mal abfällig äußert.

Zu Beginn hatte ich aber Probleme, mich in diesen Schreibstil reinzufinden. Es sind eine Menge Anglizismen im Buch vorhanden, die genau diesen Slang unter schwarzen Jugendlichen wiedergeben. Aber ich glaube, im Englischen hätte ich damit weniger Probleme gehabt als im Deutschen. Im Deutschen weiß man einfach, dass niemand „Whaddup?“ fragen würde.

Somit sehe ich mich irgendwie einem Problem gegenüber: Überträgt man den Slang für bessere Lesbarkeit ins Deutsche? Eigentlich ergibt es keinen Sinn, denn hier wird nicht die Realität eines weißen, deutschen, männlichen Jugendlichen dargestellt.

Andererseits hat es einfach irgendwie ein wenig affektiert gewirkt, dieser Slang, eingebettet in die deutsche Übersetzung. Meiner Meinung nach hätte man trotz allem manches übersetzen können: Warum muss man Maverick zum Beispiel auf Englisch „I love you“ sagen lassen? Hätte für mich mit einem „Ich liebe dich“ genauso funktioniert.

Daher bleibt für mich nur eine Konsequenz: das nächste Buch muss ich wieder auf Englisch lesen.

In diesem Fall ist die Übersetzung vielleicht doch gerade das richtige Mittelmaß – und mit Hinblick auf die Zielgruppe der ab 14-jährigen passt das sicherlich alles.

Was ich sehr gut fand, ist das Glossar am Ende des Buches. Dort kann man Slang-Begriffe noch einmal nachlesen und die Erklärung dafür finden. Insbesondere auf die eben angesprochene Zielgruppe finde ich es so wichtig, eine Begriffsklärung vorzunehmen. Nur hätte ich mir gewünscht, mit der Erklärung des N-Wortes darauf einzugehen, dass Reproduktion dieses Sprachgebrauchs im Deutschen nicht erwünscht ist. Zwar steht dabei „im Sprachgebrauch von Weißen immer rassistisch konnotiert“, doch ich gehe davon aus, dass nicht jeder Jugendliche weiß, was genau damit gemeint ist.

Nichtsdestotrotz ist „Concrete Rose“ von Angie Thomas wieder ein spannender Roman geworden: wir lernen Starrs Vater aus tiefgehend kennen und erfahren viel über seine Motive und Gefühle. Die Autorin hat einen Coming of Age-Roman geschaffen, der nicht nur BiPOC-Jugendlichen ein positives Gefühl und Hoffnung gibt: Jeder kann etwas aus sich machen, auch, wenn man dafür ab und zu einmal fremde Hilfe in Anspruch nehmen muss.

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