Kinderbücher revisited: „Laura und das Geheimnis von Aventerra“ von Peter Freund

Die Kidnerbuch-Reihe "Laura" von Peter Freund

OT: Laura und das Geheimnis von Aventerra
Autor: Peter Freund
Erschienen: 2002 in Bergisch-Gladbach: Verlagsgruppe Lübbe GmbH
Seiten: 511

Liebe Pusteblumen,

heute gibt es eine Rezension der etwas anderen Art. Ich habe letztens ein Buch gelesen, das ich als Kind total verschlungen habe: Die „Laura“-Reihe von Peter Freund habe ich mit ca. 13 Jahren entdeckt. Vollkommen im Harry Potter-Fieber, habe ich diese Reihe, in der es ebenfalls um Magie und fremde Welten geht, absolut geliebt. Nun dachte ich, dass ich mal schaue, wie mir das Buch heutzutage gefällt, was mir daran auffällt und ob ich sie heute noch empfehlen würde.

Worum geht’s?

Die „Laura“-Reihe des deutschen Autors Peter Freund umfasst 7 Bände und erschien in den Jahren 2002 bis 2011. „Laura und das Geheimnis von Aventerra“ ist das erste Buch der Reihe und erschien 2002.

In den Büchern geht es um Laura Leander, ein Mädchen, das magische Fähigkeiten hat und sogar zwischen zwei Welten – unserer und Aventerra – hin- und herreisen kann.

Im ersten Band lernt Laura, dass sie, wie auch ihr seit einem Jahr spurlos verschwundener Vater Marius, im Zeichen der Dreizehn geboren ist. Das bedeutet, dass sie magische Fähigkeiten wie Telekinese oder Gedankenlesen beherrscht bzw. mit der Zeit erlernen kann. An ihrem dreizehnten Geburtstag muss sie ihre Aufgabe als Wächterin des Lichts antreten, denn etwas Schlimmes ist geschehen…

Der Herrscher des Lichts Elysion wurde in Aventerra tödlich in einem Kampf gegen den dunklen Fürsten Borboron verletzt. Wenn er stirbt, wird nicht nur Aventerra, sondern auch die Erde untergehen, da die Welten untrennbar miteinander verbunden sind. Diese Verbundenheit äußert sich auch dahingehend, dass der Herrscher Elysion mit dem Direktor von Lauras Internat – Burg Ravenstein – verbunden ist. Wenn Elysion stirbt, dann also auch Aurelius Morgenstern, Lauras Direktor. Laura muss den Gral mit dem Wasser des Lebens finden, um beide zu retten.

Zusammen mit ihrer besten Freundin Kaja, ihrem Bruder Lukas und den beiden Wächter-Lehrern Percy Valiant und Mary Morgan, stellt sich Laura den Dunklen, die auch in Lauras Welt Verderben anrichten und um jeden Preis verhindern wollen, dass das Mädchen den Gral findet…

Eine magische Welt – nicht nur zufällige Parallelen zu Harry Potter

Nun wollte ich das Buch nicht nur in den Himmel loben, sondern auch ein bisschen kritisch darauf schauen und feststellen, ob ich es auch heute noch ungehindert Kindern und Jugendlichen empfehlen kann.

Zuerst einmal sind wir hier in einer wunderbar magischen Welt, die innerhalb unserer Welt existiert. Laura ist ein durchschnittliches 13-jähriges Mädchen, das zusammen mit ihrem jüngeren Bruder auf ein Internat geht. Sie liebt das Fechten, aber hat ansonsten die einen oder anderen schulischen Probleme – ganz im Gegensatz zu ihrem Bruder, der extrem schlau ist und keine Probleme mit Mathe und Co. hat.

Schnell stellt sich beim Lesen ein Harry-Potter-Gefühl ein, das auf vielen Ebenen durchschimmert. Das fängt natürlich bei der Welt an sich, die in unserer realen Welt situiert ist. Die Kinder gehen auf ein Internat – eine Burg, was direkt an Hogwarts erinnert. Laura, ihre Freundin Kaja und ihr Bruder Lukas bilden ein Dreiergespann mit unterschiedlichen Dynamiken – so wie Harry, Ron und Hermine, wobei man hier auch Laura gut Harry, Lukas Hermine und Kaja Ron zuordnen kann.

Sogar der Direktor ruft sofort Erinnerungen an Dumbledore hervor. Er ist alt und hat einen grauen Bart, wenn ich mich recht erinnere, trägt er sogar eine Brille. Mit dem Namen „Aurelius Morgenstern“ erinnert er sogar sehr an den Namen „Albus Dumbledore“. Der Gärtner Albin Ellerking ist so ziemlich gleichzusetzen mit Hogwarts‘ „Hausmeister“ Argus Filch.

Peter Freund hat sich also ziemlich offensichtlich von dem Potter-Hype zur damaligen Zeit anstecken lassen. Das ist an sich auch gar nicht schlimm, denn trotz der vielen Ähnlichkeiten entwickelt sich eine ganz eigene Geschichte rund um Laura.

Starkes Mädchen behauptet sich

Ein Aspekt, der mir sehr gut gefällt, ist, dass Laura als Hauptcharakter eine starke Persönlichkeit hat und sich durchzusetzen weiß. Und das nicht erst, nachdem sie von ihren magischen Fähigkeiten und ihrer wichtigen Aufgabe erfährt. Dabei wird sie anfangs manchmal etwas klischeehaft mädchenlike dargestellt – bzw. stellt der Autor es so dar, als wären alle Mädchen in diesem Alter gleich:

„Sie schaute sich in ihrem Zimmer um, als könne sie da die Antwort finden. Es unterschied sich kaum von einem Zimmer anderer Mädchen ihres Alters. An den Wänden hingen Pferdebilder und Poster ihrer Lieblingsbands.“ (S. 8).

Ähm… nein, nicht alle Mädchen haben ihr Zimmer mit 13 Jahren so dekoriert! Es ist natürlich nicht schlimm, wenn Laura selbst so ist, aber das als „typisch Mädchen“ zu bezeichnen zeigt doch deutlich, dass hier ein Mann geschrieben hat.

Laura ist selbstbewusst, ein sportliches Mädchen, liebt das Reiten auf ihrem Pferd und ist ihrer Freundin Kaja gegenüber sehr loyal. Naja, zumindest solange, bis Laura sich in ihrem Kopf über ihre dicke Freundin lustig macht, aber dazu später mehr.

Nachdem sie weiß, dass sie besondere Fähigkeiten hat, zeigt sich das Mädchen dann manchmal wenig ehrgeizig und gibt sich schnell auf. Doch mit ihrem Mentor Percy Valiant (Der Fechtlehrer) und ihrer Mentorin Miss Mary Morgan (Englischlehrerin) lernt sie, dass sie auf sich selbst und ihre Fähigkeiten – und damit sind nicht nur die magischen gemeint – verlassen kann. Im Buch zeigt sie eine starke Entwicklung, wobei sie nicht nur darauf setzt, dass sie alles alleine schaffen muss, sondern dass sie auf die Unterstützung ihrer Freunde vertrauen kann und Teamwork manchmal besser ist. Insofern ist Laura Leander auch heute sicher noch eine große Bereicherung für viele Kinder!

Einzig negativer Aspekt

Leider, leider gibt es einen negativen Aspekt, der so für mich leider gar nicht geht. Auch als Kind ist mir das schon aufgefallen und hat mich mit einem unguten Gefühl zurückgelassen: Der Autor schreckt vor Fatshaming nicht zurück.

Da ist also Lauras Freundin Kaja, so gesagt das genaue Gegenteil der blonden, schlanken Laura. Kaja ist etwas dicklich, sie hat rote Korkenzieherlocken, Sommersprossen und sie ist besonders gut in der Schule. Auch ist sie manchmal etwas ängstlich, was Laura schon mal zur Weißglut bringen kann. Was wir auch lernen, und zwar sehr eindringlich, weil es in so ziemlich jeder Szene mit Kaja betont wird: Sie liebt Schokolade und isst sie immer. Sie ist schokoladenverschmiert und denkt an Schokolade und Essen, wenn sie gerade nichts davon bei sich hat. Übrigens: Tollpatschig ist sie auch noch.

Nein, einfach nur nein. Schlimmer ist jedoch, dass die so lieb gezeichnete Laura zur Furie wird, wenn es darum geht, sich (im Kopf) über ihre Freundin lustig zu machen.

Doch auch noch ein weiterer Mitschüler in Lauras Klasse ist übergewichtig: Max Finkensturz, liebevoll auch Max Stinkefurz genannt. Gegen diesen Namen habe ich nicht mal unbedingt was, denn Max weiß ganz genau, dass er diesem Namen mit gewissen Körpergeräuschen Futter gibt und er scheint darüber zu stehen. Aber dass Laura unverhohlen ihren Ekel in Gedanken preisgibt, ist einfach traurig:

„Schon bei dem Gedanken, dass seine fetten Wurstfinger sie berührten, wurde ihr schlecht. Und die Vorstellung, dass sie sich auf den schwabbeligen Fettwanst stützen sollte, um sich von ihm zweieinhalb Stockwerke hoch zu ihrem Zimmer führen zu lassen, verursachte ihr vollends Übelkeit.“ (S. 267).

Das tut einfach weh zu lesen. Sicherlich kann man sagen, dass Kinder in dem Alter nun mal da recht radikal in ihrer Beurteilung sein können und dass bei Max sicherlich noch andere Faktoren in die Abneigung mit reinspielen, aber meiner Meinung nach setzt dies ein absolut falsches Zeichen. Möglicherweise fühlen sich etwas dickere Kinder oder auch nur Kinder, die sich dick fühlen, es aber nicht sind, durch diese Worte verletzt. So hat es doch den Anschein, dass ein privilegiertes Mädchen, das dem „Schönheitsstandard“ unter Teenies entspricht, sich über in ihren Augen minderwertige Menschen erhebt, die ihr noch nicht mal etwas angetan haben. Es lässt Laura schlichtweg arrogant wirken, was Freund aber so sicher nicht gewollt hat.

Sollte das Buch einmal eine Neuauflage erfahren, dann ist das ein Aspekt, den man in jedem Fall überarbeiten müsste. Bodyshaming hat in einem Kinder-/Jugendbuch nichts zu suchen.

Empfehlenswert mit Abstrichen

Ich weiß nun wieder, warum mich Lauras Welt damals so in ihren Bann gezogen hat. Wer Harry Potter geliebt hat, kommt mit Laura sicherlich auch bestens aus! Hier erlebt man Abenteuer, lernt neue Welten kennen, wächst zusammen mit den Kindern zu einem/einer jungen Erwachsenen heran.

Es gilt, das Böse zu bekämpfen (über die stereotype Dichotomie gut=Licht, hell vs. Böse=schwarz, dunkel habe ich hier noch nicht geredet, aber dann vielleicht in der nächsten Besprechung) und die eigenen Fähigkeiten kennenzulernen und einzusetzen.

Trotz des ganz großen Abstrichs mit dem Fatshaming kann ich das Buch aber doch immer noch empfehlen. Gerade, wenn Eltern diese Rezension lesen, können sie ihr Kind während des Lesens auf dieses Problem aufmerksam machen und mit ihm darüber sprechen, dass Laura dahingehend kein Vorbild sein sollte.

Und nun bist du dran: Kennst du die Reihe? Hast du schon mal Bücher aus deiner Kindheit (wieder-)gelesen?

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