Filmrezension: Leaving the Frame – Eine Weltreise ohne Drehbuch

Am 28.09. hatte ich das Glück, dass ich in Stuttgart den Film „Leaving the Frame“ sehen konnte – und das sogar mit einer Frage- und Antwort-Stunde mit den beiden Regisseuren Maria Ehrich und Manuel Vering! Ein Erlebnis, das ich natürlich in diesem Beitrag mit euch teilen muss. 

Schon als ich den Film sah, wusste ich, dass ich darüber eine Rezension schreiben muss, dass noch mehr Menschen über diesen Film erfahren müssen. Denn er hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt! 

Worum geht’s?

Viele kennen Maria Ehrich vermutlich als deutsche, junge Schauspielern. Zuerst wurde sie mir durch den Teenie-Film „Rock it!“ bekannt. Anschließend war sie in der Verfilmung der Edelstein-Trilogie neben Jannis Niewöhner zu sehen und einem breiten ARD-Publikum wurde sie in der Rolle der Helga in „Ku’Damm 56“ und „Ku’Damm 59“ vorgestellt. 

Maria erzählt im Film, dass sie vor ein paar Jahren an den Punkt kam, an dem sie zu weniger Castings eingeladen wurde und wo sie gemerkt hat, dass sie manchmal wütend ist und sogar Neid und Missgunst gegenüber Kollegen und Kolleginnen spürte. Es hat sie nachdenklich gemacht und zu dem folgenden Filmprojekt gebracht: Sie wollte raus, reisen, etwas anderes sehen, eine andere Perspektive einnehmen. Das wollte sie nicht alleine tun, sondern zusammen mit ihrem Freund Manuel. 

So planten die beiden einen 4-monatigen Trip durch mehrere Länder. Sie kratzten ihr Geld zusammen und recherchierten zuvor, denn die beiden hatten ein Ziel: Sie wollten nicht einfach nur als Touristen reisen, sondern sie wollten Menschen treffen, die sonst eher nicht im Mittelpunkt stehen. Sie wollten die Geschichten dieser Menschen erzählen. 

Ihr Trip fing dann in Kenia, also auf dem afrikanischen Kontinent, an. Sie hatten zuvor über das Dorf „Unity“ recherchiert, ein Dorf, in dem nur Frauen leben. Und zwar solche, die von ihren Männern misshandelt wurden. Jedoch mussten Maria und Manuel lernen, dass selbst die beste Vorbereitung manchmal nicht reicht – die Anführerin des Dorfes erzählte nur recht wenig und es stand für sie hauptsächlich das Geld (für den Eintritt ins Dorf und dafür, dass sie interviewt wird) im Vordergrund. Das ist einerseits verständlich, denn die Frauen leben allein vom Einkommen durch die Touristen, doch andererseits war das Erlebnis für die zwei Reisenden niederschmetternd, da am Ende nur wenig Gehaltvolles dabei rauskam. 

Doch von da an änderte sich ihr Plan: Sie verließen sich nicht nur auf ihre vorherigen Recherchen, sondern nutzen vor allem Kontakte über Freunde sowie spontane Begegnungen, um außergewöhnliche Menschen kennenzulernen. 

So reisen Maria und Manuel nach Lateinamerika, um von dort in die USA und anschließend nach Kanada zu gelangen. In Mexiko kaufen sie sich sogar ein Auto  einen der letzten hergestellten VW Käfer – um damit unabhängig durch Mexiko in die Staaten reisen zu können. 

Immer wieder erzählen sie zwischendurch von den verschiedensten Begegnungen mit Menschen, die sich als wahre Helden herausstellen. Vom Holocaust-Überlebenden, der seine Gefühle in Bildern ausdrückt und von einer eigenen Ausstellung träumt, über die vollkommen auf sich selbst gestellte Nonne, die über 300 Kinder in einem Pflegeheim groß gezogen hat, bis hin zum Vogelschützer, der seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass verletzte Greifvögel gepflegt und ausgewildert werden können. 

Die Reise der zwei Regisseure führt sie bis nach Kanada und sie sind insgesamt 7 statt nur 4 geplante Monate unterwegs. Eine Reise für die Ewigkeit – die sie mit der Kamera festhalten. 

Bilder und Emotionen 

Bei dem Film handelt es sich, so würde ich sagen, am ehesten noch um eine Dokumentation. Jedoch lässt sich der Film einfach nicht in eine bestimmte Schublade einordnen – und das macht ihn so besonders. „Leaving the Frame“ – das trifft nicht nur auf den eigenen Perspektivwechsel zu, auf das Ausbrechen aus dem gewohnten Rahmen, sondern auch auf den Film selbst. Er passt einfach nicht in einen bestimmten Rahmen. 

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann war zuerst auch geplant, dass nur Vlogs aus dem Filmmaterial entstehen und der Gedanke, einen wirklichen Film daraus zu machen, kam erst während der Reise. 

Ich fand es besonders schön, dass wir als Zuschauer ganz authentisch auf diese Reise mitgenommen wurden. Es wechseln sich unscharfe und nah herangezoomte Szenen aus dem Alltag mit unglaublichen Landschaftsmotiven und Drohnenaufnahmen ab. Genau der richtige Mix für so einen Film. 

Ich fand es auch wichtig, dass nicht nur die Momente hervorgehoben wurden, die gut gelaufen sind, sondern auch solche, in denen die Regisseure gescheitert sind oder an ihre Grenzen gekommen sind. Diese sind auch ganz unterschiedlich ausgefallen: Der erste Versuch einer Reportage im Dorf „Unity“ ging leider total daneben. Man hat sowohl Maria als Regisseurin angemerkt, dass sie sich dort unwohl fühlt und nervös ist, als auch den Dorfbewohnern, dass sie eigentlich nicht wirklich Lust auf die ganze Sache hatten. Doch statt zu sagen, dass man dieses Erlebnis aus dem Film schneidet, haben sie sich bewusst dafür entschieden, diese Szene darin zu lassen. Letztendlich haben sie ja daraus gelernt: Spontaneität und Geschichten am Rande sind manchmal viel spannender und interessanter als jede Planung. 

Wir konnten außerdem sehen, dass so eine lange Reise auch eine Zerreißprobe darstellt: Mal ehrlich, niemand erwartet, dass man sich als Pärchen immer versteht, schon gar nicht auf einer Reise zu zweit auf engstem Raum. Dass es da Spannungen gibt, ist völlig klar. Ich denke, dass diese Offenheit auch bei den Zuschauern gut ankam – und dass die Message dahinterstand, dass man über alles reden, Kompromisse finden und sich zusammenraufen kann. 

Ganz wichtig für den Film und für das große Ganze waren aber die Einzelgeschichten, die von den Menschen erzählt wurden. Diese haben mich persönlich ganz besonders angesprochen. Der Vogelschützer Simon Thomsett irgendwo im afrikanischen Nirgendwo hat mich zum Beispiel besonders beeindruckt, denn er hat besonders viel Wert auf Taten statt Worte gelegt. Er hilft den Vögeln vor Ort, statt nur darüber zu sprechen und letztendlich nichts zu bewegen. Auch Sister Mary, die ohne finanzielle Mittel über Jahre hinweg Kinder in einem selbst geführten Pflegeheim großgezogen hat, hat mich stark beeindruckt. Sie selbst hatte eine so ansteckende Fröhlichkeit trotz all der Sorgen, sodass man unweigerlich mitlachen musste. Auch die Kinder, denen Schlimmes wiederfahren ist, ging es dort so gut! Da konnte man sich nur mitfreuen. 

Emotionen sind ein großes Thema im Film. Das habe ich an mir selbst gemerkt: Sowohl bei berührenden Bildern, bei Geschichten, die glücklich gemacht haben, als auch schließlich bei den bewegenden Geschichten kamen mir immer wieder die Tränen. Bis ich irgendwann nur noch hemmungslos geheult habe. Natürlich gab es auch viele Lacher im Film – und da war es besonders schön, wie das Publikum voll dabei war und gemeinsam gelacht hat!

Abschließende Gedanken zum Film 

Da ich schon wieder viel zu viel geschrieben habe, schließe ich das ganze an der Stelle ab. Schließlich sollt ihr ja selbst noch den Film anschauen 😉

Leaving the Frame“ hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt. Die Geschichten der stillen Helden haben etwas in mir ausgelöst, das mich wirklich nachdenken lässt. Gerade in letzter Zeit habe ich mich über Kleinigkeiten im Alltag und Beruf aufgeregt – doch hier wurde mir mal wieder das große Ganze bewusst und ich glaube, dass ich für mich persönlich eine Menge mit in den Alltag nehmen kann durch den Film. 

Dabei haben mich nicht nur die Einzelgeschichten berührt, sondern auch die Art und Weise, wie die zwei Regisseure, die die Reise erlebt haben, miteinander umgegangen sind. So eine Reise bringt einem die eigenen Grenzen näher, doch sie schweißt auch zusammen. Wie Maria und Manuel schließlich in der Fragerunde sagten, muss es auch nicht immer eine Weltreise sein, mit der man seine Perspektive ändern kann – auch im eigenen Land und im eigenen Umfeld gibt es vieles, was man tun und sehen kann. So kann jeder seine eigene Reise antreten, wenn man sich bereit dafür fühlt. 

Abschließend muss ich auch unbedingt noch den wunderbaren Soundtrack zum Film erwähnen, der mich wirklich berührt hat. Sowohl Instrumentalsongs als auch Lieder mit Gesang haben perfekt zu den Szenen und dem Gefühl in den Szenen gepasst. Ich muss mich wirklich auf die Suche nach einer Playlist machen! 

Wem der Film übrigens noch nicht genug ist, der kann auch mal auf Youtube stöbern, denn dort gibt es noch weitere Szenen, die es nicht in den Film geschafft haben. Auch das Buch „Leaving the Frame“ gibt es – das muss ich mir allerdings noch zu Gemüte führen! 

Nun bist du dran: Hast du schon einmal eine Reise erlebt, die dich verändert hat? Hast du vor, eine große Reise (in ein anderes Land oder zu dir selbst) noch anzutreten? Verrate mir außerdem gerne in den Kommentaren, ob du den Film sehen oder das Buch lesen wirst! 😊

Viel Spaß beim Schauen wünscht 
Jacqui

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