Buchrezension: Julia Trompeter – Frühling in Utrecht

Julia Trompeter "Frühling in Utrecht"

Autorin: Julia Trompeter
Buchtitel: Frühling in Utrecht
Ausgabe: 2019 im Verlag Schöffing & Co.
Erstausgabe: 2019
Seitenanzahl: 259

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr einen Roman lest und das Gefühl habt: „Hier bin ich zu Hause“? Genau so ging es mir mit dem Roman „Frühling in Utrecht“ von Julia Trompeter, den mir mein lieber Freund schenkte.

Bevor ich euch mit einer Rezension zum Buch versorge, erzähle ich euch noch kurz etwas über mich, das es im Vorfeld zur Rezension zu wissen gibt: Im Jahr 2016 habe ich mein zweites Auslandssemester im Master in den Niederlanden absolviert, genau gesagt in Utrecht. Dort habe ich sechs Monate lang gelebt, studiert, das Leben genossen und mich schließlich verliebt. Ich bin besonders glücklich, dass sich dieser wunderbare Mann damals auch in mich verliebt hat und er letztes Jahr sogar mit mir nach Deutschland gekommen ist. Er hat mir dieses Buch geschenkt und gehofft, dass ich darin ein paar Dinge wiedererkenne aus der Utrechter Zeit.

Und wie viel Recht er damit behalten hat!

Worum geht’s?

Frühling in Utrecht“ handelt von der Berlinerin Klara, die genug hat von ihrem Leben in Berlin, genug von der alten Kneipe, die sie mit Hauke betrieben hat, genug von Hauke. Denn diese Beziehung tat ihr schon lange nicht mehr gut. Entschieden packt sie ihre Sachen und zieht nach Utrecht, ihr altes Leben hinter sich lassend.

Da ist sie nun, in einer neuen Stadt, in einem neuen Land, das dem unseren augenscheinlich so ähnlich ist und doch wieder nicht. Klara wohnt in einer WG und verbringt die Vormittage damit, sich in Cafés zu setzen und dort ihre Beobachtungen in eine Kladde zu schreiben. Am Nachmittag arbeitet sie in einem Café in der Utrechter Innenstadt. Dort arbeitet übrigens auch der junge Thijs. Thijs mit dem tollen Hintern, den süßen Löckchen und der Wissbegierde.

Wir begleiten Klara durch die ersten Wochen und schließlich Monate in ihrer neuen Heimat. Wir erleben, wie sie weiterkommt, wie sie hinfällt und wie sie wieder aufsteht. Und schließlich erleben wir auch ihren Unfall…

Von Gemeinsamkeiten und Unterschieden

Zu Beginn des Buches merken wir, wie sehr Klara die sprachlichen Besonderheiten des Landes beschäftigen. Auf den ersten Blick sieht alles so unglaublich ähnlich aus!

„Und für mich, die ich deutschsprachig aufgewachsen und erzogen war, nun aber in den Niederlanden lebte, kam erschwerend hinzu, dass gar vieles hier nicht nur so ähnlich war wie in Deutschland, sondern oft auch so ähnlich hieß, manchmal ähnlich oder gleich hieß, ohne das Ähnliche zu meinen, sondern etwas ganz anderes. Diese falschen Freunde waren die größten Herausforderungen. Und manchmal gab es auch etwas, das so ähnlich hieß und das Gleiche sein sollte, es aber einfach nicht war. Zum Beispiel die Wörter brood oder broodje.“ (S. 19 f.)

Denn ein broodje in den Niederlanden unterschiedet sich schon allein in der Konsistenz von einem deutschen Brot! Und so gibt es noch mehrere Wörter, die Klara zum Nachdenken bringen. Und mich auch.

Doch mit der Zeit lernt sie immer mehr dazu in dieser ähnlichen und doch fremden Sprache und findet sich immer besser zurecht. Manchmal jedoch kommt sie sich trotz allem immer noch vor, als würde sie nicht ganz dazugehören – wenn zum Beispiel Verkäufer auf Englisch mit ihr sprechen, obwohl sie Niederländisch mit ihnen redet. Das kann schon ganz schön frustrierend sein!

Aber da gibt es ja auch noch die Liebe. Die Liebe, in der so viel schiefging. Vor allem mit Hauke.

„Seit ich hier gestrandet bin, fühlte ich mich ein wenig wie Alice im Wunderland. Alles um mich herum ist ein Stück gewachsen, oder besser gesagt: Ich bin geschrumpft. Neben Thijs, dem wesentlich Jüngeren, dem Energiegeladenen, fühle ich mich klein, was eine neue Erfahrung ist. Neben Hauke hatte ich mich nie klein gefühlt. Wie hatte ich mich dann gefühlt? Es fiel mir nicht mehr ein.“ (S. 136).

Es bahnte sich schon lange an: Die Beziehung war toxisch und doch lebten beide sogar jahrelang nebeneinander her. Nun, viele Kilometer von Berlin und Hauke entfernt, denkt sie immer wieder mal an diesen Mann, der in Phantombildern ab und zu wiederauftaucht. Und zwar so sehr, dass es Klara sogar ein wenig aus der Bahn wirft. Doch zum Glück gibt es da den jungen Thijs, der doch aber eigentlich viel zu jung für sie ist. Oder doch nicht?

Ein Stadtbild in Worte gegossen

Besonders schön ist, dass man anhand des Buchs „Frühling in Utrecht“ durch diese wunderbare Stadt gehen kann. Das war für mich eine der schönsten Erfahrungen: Anhand Julias Worte laufen oder fahren wir mit dem Rad zusammen mit Klara durch Utrechts Innenstadt. Wir schlendern an der Oudegracht entlang, gehen über den Blumenmarkt am Jankerkshof, hören förmlich die Glocken des Doms und gehen durch den Stadtteil Lombok.

Mir kommt glücklicherweise zugute, dass ich Utrecht kenne und so war es mir eine absolute literarische und sinnliche Freude, in meinen Gedanken durch diese wunderbare Stadt zu laufen und Winkel und Straßen wiederzusehen, durch die ich schon lange nicht mehr gegangen bin. Aber auch für diejenigen, die Utrecht nicht kennen, sind diese Beschreibungen wie gemacht: Was Julia Trompeter erzählt, gibt es wirklich – und es ist wirklich kein Googlemaps-Rundgang mehr nötig, wenn ihr diesen Roman lest, denn lebendiger könnt ihr die Studentenstadt einfach nicht erfahren.

Schwingt euch auf euer Rad oder packt bequeme Schuhe ein und schon kann es in Gedanken losgehen!

Der Schreibstil

„Der Wahlspruch Freiheit aushalten meint, glaube ich, außerdem, dass Freiheit mehr ist, als einfach nur tun und lassen zu können, was man möchte, sondern dass in Freiheit zu leben eine Aufgabe ist, eine echte Herausforderung. Denn man kann sich ja nicht nur von äußeren, sondern auch von inneren Zwängen befreien. Der Trinker, der ungebremst seinen Begierden nachgehen kann, ist nicht frei; […]“ (S. 238).

Zusammenfassend kann ich einfach nur sagen: So etwas schön Geschriebenes habe ich schon lange nicht mehr gelesen! Vielleicht ist es, weil Klara manchmal ähnlich denkt wie ich; oder Sachen zerdenkt. Aber genau das macht wohl ihre feinfühlige Art und Weise des Sinnierens über Sprache, Kultur, Leben und Liebe aus. Ich habe mich so oft angesprochen gefühlt und so viele Stellen im Buch markiert – das macht mir richtig Lust, selber wieder in die Tasten zu hauen und Literarisches zu schaffen.

Bisweilen hatte ich gar den Eindruck, dass diese Geschichte eigentlich die Geschichte der Autorin ist. Wie Klara abhaut aus Berlin, sich in dem Leben zurechtfindet, in ihr Notizbuch schreibt – das alles kam mir so echt vor! Da ich mich meist vorher nicht so sehr über den Autor oder die Autorin informiere, war es für mich fast schon überraschend, dass ich nach der Hälfte des Buches herausfand, dass das alles Fiktion ist.

Julia Trompeter "Frühling in Utrecht" und Fahrrad

Meine Meinung

Wer sich also einmal ganz und gar einem literarischen Stadtportrait hingeben möchte und dabei etwas über das Leben einer jungen Berlinerin erfahren möchte, die auszog, die Niederlande zu erobern, der sollte sich dieses Buch auf jeden Fall zu Gemüte finden.

Hier geht es nicht nur um Kultur, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede oder Philosophie: Hier geht es vor allem um die Liebe. Jedoch nicht die Liebe zu Hauke, nicht zu Thijs oder sonst einem anderen Mann, sondern vor allem um die Liebe zu sich selbst. Darum, seine eigene Stimme wieder zu hören, mutig zu sein und sich selbst einmal in den Vordergrund zu stellen, bis es der Seele wieder ein kleines bisschen besser geht.

Klare Leseempfehlung!

Und nun seid ihr dran: Kennt ihr das Buch oder die Autorin? Welche Bücher über Städte habt ihr schon gelesen? Verratet es mir in den Kommentaren!

Meine Bewertung im Detail

Handlung ♥♥♥♥♥

Charaktere ♥♥♥♥♥

Sprache ♥♥♥♥♥

Emotionen ♥♥♥♥♥

Gesamt 5/5

 

 

 

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About mademoisellepusteblume

Hi! Ich bin Jacqui und noch sehr neu in der Welt des Bloggings. Nachdem ich mir immer vorgestellt hatte, einen Blog über Dinge zu führen, die mich und möglicherweise auch Andere interessieren, setze ich dieses Vorhaben nun in die Tat um. Momentan bin ich noch Studentin der Film- und Medienwissenschaften. Ich liebe Bücher, Filme, Serien und Musik über alles. Auch Fotografieren, Sport machen, Sprachen und die Natur erkunden gehören zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich hoffe, die einen oder anderen Leser auf eine Reise durch meine Gedanken mitnehmen zu können!

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