Japanische Mythologie und starke Frauen in Hayao Miyazakis „Prinzessin Mononoke“

Prinzessin Mononoke; OT: もののけ姫 (mononoke hime); Regie und Drehbuch: Hayao Miyazaki; Produzent: Toshio Suzuki; Japan 1997; FSK: ab 12

Wenn wir an Animes denken, denken die meisten wohl eher an Filme, die vor allem für Kinder gemacht sind. Aber oft genug begegnen wir auch den Animes, die an ältere Jugendliche und Erwachsene gerichtet sind. Zu diesen Filmen zählt auch „Prinzessin Mononoke“, das Meisterwerk des Japaners Hayao Miyazaki, das im Jahr 1997 erschienen ist. Erst kürzlich habe ich mir den Film mal wieder angeschaut und befand, dass der Film definitiv eines Blogeintrags würdig ist 🙂

Inhalt

Ashitaka, der Prinz seines Stammes, wird, während er seine Heimat vor einem zum Dämon gewordenen Keiler beschützt, von diesem angegriffen und verletzt. Ihm bleibt eine verfluchte Wunde zurück. Um eine Heilung für seine Verletzung zu finden, reitet Ashitaka auf seinem Steinbock Jakkul in den Westen, wo er einerseits auf die Bewohner und Anführer einer Stadt trifft, die den Wald abholzen, um Eisen herzustellen und andererseits trifft er auf die Bewohner und die Götter des Waldes, deren Lebensraum durch die Rodung bedroht ist. Unter anderem trifft er auch die Wildschweinfamilie des Keilerdämons. Diese wollen sich gegen die Abholzung des Waldes wehren – denn die Anführerin der Eisenstadt möchte den Wald komplett ausrotten und zudem den Kopf des Waldgeistes haben, denn Gerüchten zufolge soll der Unsterblichkeit bringen.

Im Wald trifft Ashitaka außerdem auf die bei den Wölfen lebende San, die ihr Reich und das der Tiere verteidigen möchte. Da Ashitaka durch einen Schuss in einem Kampf schwer verletzt wird, kümmert sich San am Fluss in der darauffolgenden Zeit um ihn. Die beiden fangen langsam an, Vertrauen zueinander aufzubauen.

In einem heftigen Kampf gelingt es den Dorfbewohnern allerdings im Laufe des Films, dem Waldgeist tatsächlich den Kopf abzutrennen. Der verwandelt sich daraufhin in einen riesigen Nachtwandler, der seine ganze Umwelt, auch das Dorf der Menschen, mit seinem Schleim zerstört. Erst, als es San und Ashitaka gelingt, dem Waldgeist seinen Kopf zurückzubringen, wird der Zerstörung Einhalt geboten. Die Natur erwacht schließlich langsam wieder zum Leben…

Mythologie im Film

Seit einigen Jahren schaue ich mir gerne Filme aus dem Hause Ghibli an, vor allem die von Hayao Miyazaki. Er thematisiert in seinen Filmen oftmals die Beziehung des Menschen zur Natur, wie zum Beispiel im Film „Mein Nachbar Totoro“. Während Totoro ein Film für Kinderaugen ist, muss man „Prinzessin Mononoke“ jedoch ganz eindeutig den erwachseneren Filmen zuordnen. Die Brutalität des Tötens oder der zum Dämon gewordene Keiler sind die zwei Dinge, die mir da besonders in Erinnerung geblieben sind. Selbst für Erwachsene können diese Szenen zunächst erst mal verstörend wirken.

Andererseits gibt es natürlich auch die freundlichen Wesen: Da ist zum Beispiel Ashitakas Begleiter Jakkul, ein Steinbock, auf dem er reiten kann. Auch der Waldgeist ist in seiner Gestalt am Tag ein freundliches Wesen, das ein bisschen an einen Hirsch erinnert. Im Wald erwarten uns außerdem die friedlichen kleinen Baumgeister, die sich mit einem Rasseln bemerkbar machen, aber ansonsten harmlos sind.

Die Baumgeister, der Waldgott, der Nachtwandler… all das sind Wesen der japanischen Mythologie. Für diejenigen, die neu im Bereich der Animes sind, mag das vielleicht an der einen oder anderen Stelle merkwürdig vorkommen. Wenn man sich jedoch darauf einlässt, dann erwarten einen spannende Wesen und interessante Geschöpfe! Die Baumgeister, auch Kodama genannt, tauchen bereits seit vielen Jahrhunderten in der japanischen Geschichte und Mythologie auf. Sie waren zunächst Götterwesen, wie auch der Waldgott. Dieser nimmt in „Prinzessin Mononoke“ zwei Formen an: Tagsüber ist er ein prächtiger Hirsch, nachts verwandelt er sich in den Nachtwandler, der riesengroß wird, aber noch immer dem Wesen des Tages ähnelt. Im Film soll er, wie gesagt, geköpft werden. Da das auch gelingt, wird der Nachtwandler zu einem kopflosen Nachtwandler, der alles um ihn herum zerstört. Nur durch das Wiederbringen des Kopfes kann die Katastrophe abgewendet werden.
Wenn man sich auskennt, dann findet man in „Prinzessin Mononoke“ sicherlich noch mehr Anspielungen auf die japanische Mythologie. Ich für meinen Teil bin nun angestachelt und will mir ein Buch darüber besorgen 😀 Sollte sich ein Leser auskennen, bin ich über Buchhinweise oder Entdeckungen in dem Film sehr dankbar!

Starke Frauen, die polarisieren

Im Film haben mir außerdem die starken Frauenrollen sehr gefallen. Als erstes denke ich dabei natürlich an San, die „Prinzessin Mononoke“ (Mononoke ist nicht ihr Name, sondern ein Begriff für Geister, Wesen usw.). Sie ist keine typische Prinzessin – Schlösser, Burgen, schöne Kleider, all das sucht man bei ihr vergebens. San braucht all das nicht, denn sie ist glücklich bei den Wölfen, wo sie aufgewachsen ist. Sie scheut sich nicht, eine blutende Wunde ihrer Wolfsmutter auszusaugen und ist hart im Nehmen. Sie verkörpert im Kampf Mensch gegen Natur die Seite der Natur.

Ihr Gegenpart ist Madame Eboshi, die Anführerin der Eisenstadt, die den Wald ausrauben will für ihre Zwecke. Sie hat Männer und Frauen unter sich und scheut sich nicht, sich unbeliebt zu machen, um ihr Ziel zu erreichen. Mir gefällt, dass sie kein eindeutiger Charakter ist, denn sie erkennt schließlich, dass es nichts bringt, die Natur auszurauben. Charakterentwicklung im Film ist eine wunderbare Sache!

Und weil es einfach immer aktuell ist und bleibt, ist nicht zuletzt die Thematik Mensch vs. Natur interessant. In diesem Film wird mithilfe der Tiere und der Geister gezeigt, wohin das ständige Streben nach Mehr durch die Menschheit führt: Zerstörung, Ausrottung, Tod, Rodung. Täglich führen die Menschen, auch du und ich, einen Krieg gegen die Natur, ob wir es wollen oder nicht. Es geschieht indirekt, durch Firmen, die ganze Regenwälder abholzen. Durch Massenviehzucht, Überfischung, Waldrodung. Durch Müll, der in die Natur gelangt. Aber es geschieht auch direkt: Plastiktüten landen zu Hauf im Ozean, Gemüse, das bereits eine natürliche Hülle hat, wird in Plastiktüten verpackt. Der Fleischkonsum liegt in Deutschland bei ca. 60kg pro Kopf pro Jahr. Auch wenn die Zahlen in den letzten Jahren gesunken ist, so ist Europa noch immer weltweiter Spitzenreiter im Fleischverbrauch. Wenn ein 700g schweres Schweinekotelett im Niedrigangebot für 3,55€ Nettopreis verkauft wird, dann trägt auch das nicht zur Verbesserung der Umwelt bei.

Es wäre schön, wenn man den Film zum Anlass nehmen könnte, mehr über sich, sein Verhalten und die Umwelt nachzudenken. Nachzudenken, was wir dem Waldgott, also unserer Natur, antun. Schließlich kann in uns allen eine kleine Prinzessin Mononoke stecken, der die Natur wichtiger ist als der Profit manchen menschlichen Individuums. 🙂

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