Buchrezension: Eveleen Valadon – Meine Gedanken fliegen wie Schmetterlinge. Wie ich mit Alzheimer lebe.

Eveleen Valadon. Meine Gedanken fliegen wie Schmetterlinge. Wie ich mit Alzheimer lebe.

Hinweis: Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Random House GmbH zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Eveleen Valadon mit Jacqueline Remy: Meine Gedanken fliegen wie Schmetterlinge. Wie ich mit Alzheimer lebe. (OT im Französischen: Mes pensées sont des papillons.) München: Diana Verlag, Verlagsgruppe Random House GmbH.

„Diese Krankheit frisst an mir, als würde man mir Häute von Erinnerungen abreißen, als würde ich langsam amputiert. Es ist eine Art Folter.“ (S. 155).

Diese Worte der Alzheimerkranken Eveleen Valadon sind beeindruckend, erschreckend, Augen öffnend. Wie oft bekommt man schon einen Einblick in den Kopf eines an Alzheimer erkrankten Menschen? Das Buch „Meine Gedanken fliegen wie Schmetterlinge“ fängt das Leben und die Krankheit der älteren Dame wunderbar ein.

Darum geht’s

Eveleen Valadon ist eine ältere Französin, die der Autorin Jacqueline Remy in wöchentlichen Treffen von der Entwicklung und dem Leben mit ihrem Alzheimer erzählt. Eveleen hat vor vier Jahren die Diagnose Alzheimer erhalten. Gerne und gut erinnert sie sich noch an die Vergangenheit, an Details, von denen sie Jacqueline erzählt. Doch kürzliche Ereignisse, Termine und Details im Umgang mit alltäglichen Dingen entfallen ihr immer wieder.

Die Umsetzung

Obwohl Eveleen natürlich für die meisten Leser und Leserinnen eine fremde Frau ist, fällt es nicht schwer, in ihr jetziges und früheres Leben einzutauchen. Lebhaft wird erzählt, wie die alte Dame früher einmal war. Sie hat gerne geschrieben und sich mit Feuereifer für die Rechte der Frau eingesetzt. Zwar wurden ihre großen Werke nie veröffentlicht, aber die Manuskripte, aus denen im Buch zitiert wird, existieren noch immer.

Eveleen hatte früher einen Mann, von dem sie allerdings mittlerweile getrennt ist. Außerdem hat sie liebevolle Kinder, die ihr, obwohl sie eine eigene Familie haben, immer zur Seite stehen und alltägliche Dinge für sie regeln.

Als Leser und Leserinnen erfahren wir, wie sich der Alltag der Dame gestaltet. Wir begleiten sie bei Arztbesuchen, bei der Kunsttherapie und bei Apothekenbesuchen. So alltäglich das auch alles erscheint, für Eveleen ist es ihr Leben, das ihr zunehmend schwerer fällt.

Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit (AK, lateinisch Morbus Alzheimer) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die in ihrer häufigsten Form bei Personen über dem 65. Lebensjahr auftritt und durch zunehmende Demenz gekennzeichnet ist. Sie ist für ungefähr 60 Prozent der weltweit etwa 24 Millionen Demenzerkrankungen verantwortlich. Die Alzheimer-Krankheit beziehungsweise die Alzheimer-Demenz wird oft kurz als Alzheimer bezeichnet. (Quelle: Wikipedia.de)

Obwohl sehr viel über ihr damaliges Leben erzählt wird, gerät doch der Alzheimer-Aspekt nie aus den Augen. Zu Beginn des Buchs ist noch deutlich spürbar, dass die Dame den Schein zu wahren versucht. Schließlich ist sie immer gebildet gewesen, hat viel gelesen, geschrieben und ist gereist. Sie hatte sich einen Namen gemacht. In den Treffen mit der Autorin Jacqueline Remy ist sie zunächst immer adrett gekleidet und nur kleine Veränderungen sind spürbar, zum Beispiel, dass Eveleen öfter mal Fragen ausweicht oder ganz elegant von einem Thema zum anderen springt, ohne, dass dabei ein erheblicher Gedächtnisverlust spürbar ist. Auch weicht sie dem konkreten Namen der Krankheit, „Alzheimer“, immer wieder aus.

Mit fortschreitender Zeit wird aber deutlich, dass sich immer mehr Probleme anhäufen, sowohl gesundheitlich als auch mental. Eveleen muss einsehen, dass sie nicht mehr dieselbe wie früher ist, dass sie Hilfe benötigt und nicht immer so tun kann, als wäre nichts. Als dann auch noch ihre Hilflosigkeit und Gutgläubigkeit von fremden Menschen ausgenutzt wird, wirft sie das völlig aus der Bahn.

Wer sich mit Alzheimer nicht auskennt, lernt in diesem Buch an ihrem Beispiel die Symptome und die Anzeichen kennen. Während mir am Anfang des Buchs dieser Aspekt noch etwas gefehlt hat, habe ich gemerkt, dass mit der Persönlichkeitsveränderung von Eveleen sich auch die Perspektive auf die Krankheit immer wieder verändert hat.

Schreibstil

Besonders schön fand ich, dass die Kapitel zwischen Eveleens und Jacquelines Sicht gewechselt haben. Eveleens Kapitel sind als Ich-Erzähler verfasst, sodass man direkt in ihrer Geschichte drin ist und man das Gefühl hat, dass ihr Leben nicht nur von irgendjemandem nacherzählt wird. Auch Eveleens Humor kommt schön zur Geltung. Alleine, dass sie ihre Krankheit als „Ich bin bei Alois“[1] bezeichnet, lässt einen im Angesicht der Ernsthaftigkeit doch schmunzeln.

Die Zwischenkapitel sind meist nur zwei Seiten lang und beinhalten Jacquelines Sicht. Das, was Eveleen zu verbergen versucht, wird bei Jacqueline sichtbar: verzweifelte Telefonate mit Abbruchgedanken bezüglich des Buchs, Nachfragen in Bezug auf die gemeinsamen Termine, Bemerkungen zu den Gesprächsverläufen.

Der Schreibstil ist in der Übersetzung wunderbar flüssig und zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, dass sich die Autorin über die alte Dame erhebt. Im Gegenteil, man spürt den Respekt gegenüber dem, was sie im Leben geschafft hat und auch die Freundschaft und Verbundenheit, die sich zwischen den Frauen entwickelt hat.

Klare Leseempfehlung

Das Buch ist jedem zu empfehlen, der sich durch einen „Erlebnisbericht“, bzw. eine Biografie einen Überblick über Alzheimer verschaffen möchte. Mit seinen 174 Seiten ist das Buch auch recht schnell gelesen. Dank des Schreibstils und der abwechselnden Kapitel rutscht man geradezu in die bewegende Geschichte einer erstaunlichen alten Dame hinein. Von Eveleen kann man sicher noch einiges lernen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Jacqui

Eine Leseprobe des Buchs könnt ihr hier als PDF herunterladen!:

Leseprobe: Eveleen Valadon – Meine Gedanken fliegen wie Schmetterlinge

[1] Die Alzheimer-Krankheit ist nach dem Arzt Alois Alzheimer benannt.

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About mademoisellepusteblume

Hi! Ich bin Jacqui und noch sehr neu in der Welt des Bloggings. Nachdem ich mir immer vorgestellt hatte, einen Blog über Dinge zu führen, die mich und möglicherweise auch Andere interessieren, setze ich dieses Vorhaben nun in die Tat um. Momentan bin ich noch Studentin der Film- und Medienwissenschaften. Ich liebe Bücher, Filme, Serien und Musik über alles. Auch Fotografieren, Sport machen, Sprachen und die Natur erkunden gehören zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich hoffe, die einen oder anderen Leser auf eine Reise durch meine Gedanken mitnehmen zu können!

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