Buchrezension: James R. Hansen – Aufbruch zum Mond. Neil Armstrong – Die autorisierte Biografie

[Rezensionsexemplar; bereitgestellt durch das Bloggerportal von Randomhouse.]

James R. Hansen (2018): „Aufbruch zum Mond. Neil Armstrong – Die autorisierte Biografie.“ (Im englischen Original erschienen unter dem Titel „First Man – The Life of Neil A. Armstrong.“) München: Wilhelm Heyne Verlag. 505 S.

Als ich zur Grundschule ging, habe ich mit Freundinnen, in der Schule oder zu Hause mit Eltern und Großeltern gerne mal „Allgemeinwissen testen“ gespielt. Es gab kleine Quizkärtchen, auf denen so Fragen standen wie „Wer baute das erste Auto?“, „Wer war der erste Mensch im Weltall?“ und schließlich „Wer war der erste Mensch auf dem Mond?“ Es sind Antworten, die sich mir einfach eingeprägt haben, manchmal aber auch, ohne genauere Hintergründe dazu zu wissen. Einen dieser Hintergründe habe ich nun nachgeholt mit der autorisierten Biografie von Neil Armstrong, welche von James R. Hansen geschrieben wurde: „Aufbruch zum Mond“.

Kennt ihr das? Es gibt solche Themen, die einen immer wieder beschäftigen, die einen geradezu faszinieren, obwohl man gar nicht so viel darüber weiß. Bei mir ist es so mit dem Weltall. Das fasziniert mich seit meiner Kindheit. Es ist da irgendwo über uns, um uns herum und wir auf der Erde sind nur ein kleiner Klecks in diesem riesigen Weltall, das so viele Geheimnisse birgt. Mit Neil Armstrongs Biografie konnte ich zumindest gedanklich nun zum Mond reisen.

Worum geht’s?

In dem Buch wird das Leben von Neil Armstrong komprimiert dargestellt. Wir lernen sogar Neils Eltern, Großeltern und die Abstammungslinie von Neils erster Frau Janet kennen. Als der kleine Neil Alden Armstrong am 5. August 1930 in Wapakoneta in Ohio zur Welt kommt, ahnt wohl noch niemand, dass er einmal der erste Mann auf dem Mond sein würde. Mit dem Weltraum hat er anfangs auch nicht wirklich viel zu tun. In seiner Kindheit interessiert sich der Junge eher für Flugzeuge; sein großes Vorbild war Charles Lindbergh, der Mann, der als erster Nonstop von New York bis Paris flog. Als Kind baute Neil vor allem an Modellflugzeugen; er besaß hunderte davon. Mit bereits 17 Jahren erwarb er eine Pilotenlizenz.

Zwischen Studium und Navy Pilot

Armstrong studierte nach der High School ein Ingenieurswesen an der Purdue University, um Flugzeugingenieur zu werden. Nach drei Semestern wurde er jedoch schon im Jahr 1949 von der Navy zum Militärdienst eingezogen. Den so präsenten Koreakrieg erlebte er als Kampfpilot persönlich mit. Zum ersten, aber sicherlich nicht zum letzten Mal erlebte Neil dort mit, dass gute Kameraden und Freunde sterben mussten.

Im Jahr 1952 konnte er sein Studium an der Purdue University fortsetzen und erhielt letztendlich den Abschluss in Luftfahrtechnik.

Vom NASA-Testpiloten zum NASA-Astronauten

Nach dem Studium fing Armstrong an, bei der NACA (dem Vorläufer der NASA) zu arbeiten. Die gewünschte Stelle als Testpilot in Los Angeles wurde aber erst kurze Zeit später frei; aber so landete Armstrong trotzdem noch in einem sehr jungen Alter bei den Testpiloten. Unter der NACA und später der NASA flog er von Jets, über Raketenflugzeugen bis hin zu Hubschraubern und Gleitflugzeugen so ziemlich alles.

1962 war es schließlich soweit, Armstrong wurde für die zweite Astronautengruppe für das Weltraumprogramm der NASA ausgewählt.

Gemini- und Apollo-Programm

Seinen ersten Ausflug ins All machte Neil als Kommandant der Mission Gemini VIII, wo er mit seinem Kollegen David Scott eine erste Kopplung von Raumfahrzeugen im All testen sollte. Leider war die Mission nicht erfolgreich; das „Zielobjekt“ schlug aus und zusammen mit dem gekoppelten Raumschiff drehte es sich wild im Kreis, was bei den Astronauten fast zur Bewusstlosigkeit führte.

Dennoch ließen die Erfolge des Apollo-Programms nicht lange auf sich warten. 1969 war es schließlich soweit: Die Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins wurden für die Mondmission Apollo 11 eingeteilt. Armstrong sollte der erste Mann auf dem Mond werden; Aldrin würde ihm folgen und Collins blieb im Raumschiff, das den Mond umkreiste um Aldrin und Armstrong in ihrer Mondlandefähre Eagle wieder „einzufangen“. Am 21. Juli 1969 dann schließlich der historische Moment: Armstrong betrat als erster Mensch, noch dazu als erster Zivilist, den Mond. Der Rest ist Geschichte.

“That’s one small step for man one giant leap for mankind.” (Neil A. Armstrong)

Die Schattenseite des Mondes

Abgesehen davon, dass die minutiöse Erläuterung der Mondlandung wahnsinnig beeindruckend war, hat mich auch das Leben von Armstrong generell sehr fasziniert. Was mir zum Beispiel nicht klar war, war die Tatsache, dass Armstrong bewusst ausgesucht wurde, als der Mensch, der als erster den Fuß auf den Mond setzen soll. Im Nachhinein ist es logisch: Natürlich kann man es sich nicht leisten, im All erst mal die Auseinandersetzung zu haben, wer was tut. Aber dass es – sogar unter einem Vorwand – so abgestimmt wurde, dass ausgerechnet Neil der erste Mensch sein sollte, war mir unklar.

Die Wahl von Neil scheint mir nun überraschend logisch: Die USA lieferten sich einen Wettkampf um den Weltraum mit der Sowjetunion. Juri Gagarin war der erste Mann im Weltall, aber die USA wollten einen Schritt weitergehen: Der Mond sollte es sein. Da zu dieser Zeit auch der Koreakrieg stattfand, suchte man nach einem Vorbild für die ganze Welt. Denn dass das Ereignis der Mondlandung ein weltweites sein würde, das in die Geschichtsbücher eingeht, war völlig klar. Und Neil Armstrong, dieser Mann mit der ruhigen Ausstrahlung, der keinesfalls auf Ruhm aus war, sondern einfach ein Ingenieur mit starkem Willen und einer Leidenschaft war, war der perfekte Mann, um die USA nach außen zu repräsentieren.

Dass es nach der Mondlandung für ihn nicht leicht sein würde, normal weiterleben zu können, war ihm vorher nicht recht bewusst. Nun musste er sich mit Reportern herumschlagen, seine Privatsphäre schützen und falsche Geschichten aus der Welt schaffen. Im Buch wird das als „Die Schattenseite des Mondes“ bezeichnet, was ich vollkommen treffend finde.

Einmal Mond und zurück

Alles in allem bin ich extrem froh, diese Biografie gelesen zu haben. Ich habe das Buch geradezu verschlungen und in jeder freien Minute weitergelesen. Dieser Mann hinter dem ersten Menschen auf dem Mond, ist eine ganz interessante, vielschichtige und kluge Person. Armstrong brilliert mit einem unglaublichen Wissen und wird dafür schon im jungen Alter belohnt. Doch er ruht sich nie auf seinen Lorbeeren aus oder sonnt sich im Rampenlicht, nein, er bleibt auf dem Teppich, macht immer weiter und steht zu seinen Überzeugungen.

Manchmal wirkt er geradezu verschlossen, seine Ex-Frau Janet sagt sogar „emotional distanziert“. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass ich auch in diesen Phasen mit ihm mitfühlen konnte. Obwohl er als „unnahbar“ teilweise gezeichnet wurde, kam es mir vor, als wäre ich extrem nah dran. Gerade die Schicksalsschläge, die er mitmachen musste, zeigen doch, wie menschlich er ist, bzw. war. Er musste nicht nur den Tod vieler Freunde und Kollegen überstehen und dabei selbst nicht den Mut verlieren, sondern er musste auch damit zurechtkommen, dass seine kleine Tochter mit nur zwei Jahren an einem Hirntumor starb. Armstrong selbst starb am 25. August 2012 nach mehreren Bypass-Operationen.

Meine Meinung

Insgesamt lässt sich das Buch sehr flüssig lesen. Anfangs hatte ich noch große Schwierigkeiten, mit den Bezeichnungen der Flugzeuge zurechtzukommen, da ich dafür einfach kein wirkliches Interesse habe. Abgesehen davon hat es mich aber nicht gestört, dass ich nicht alle technischen Einzelheiten der Raumfahrt verstanden habe. Das war auch nicht die Essenz des Buches, sondern natürlich die Mondlandung. Und diese wurde mit Zitaten und minutiösen Kommentaren so lebendig gestaltet, als wäre ich selbst dabei gewesen oder hätte eine Live-Übertragung gesehen. Man konnte sich förmlich vorstellen, wie vor 50 Jahren die Menschen auf der ganzen Welt gespannt vor dem Fernseher oder dem Radio saßen und das Geschehen verfolgten! Das sorgte bei mir für einige Gänsehaut-Momente, denn so eine Leistung ist wirklich unglaublich.

Etwas negativ ist mir nur das Einstreuen von angeblichen Äußerungen und falschen Behauptungen im Kopf geblieben, die später als falsch entlarvt wurden. Meiner Meinung nach war das eine Verschwendung von Seiten, da diese Dinge nichts zum Thema beizutragen hatten. Auch, dass Armstrongs Kollege Buzz Aldrin als kleiner Egozentriker dargestellt wurde, der immer ein bisschen neidisch darauf war, dass er nicht der erste Mann auf dem Mond war, nervte mich irgendwann. Das Buch hat ein eher negatives Bild von ihm gezeichnet und das fand ich so nicht wirklich angemessen.

Das Buch hat mich weiterhin zum Nachdenken über die Menschheit angeregt (ja, ein großer Satz für das, was mir letztendlich „nur“ im Kopf herumging 😀 ): Armstrong ließ ab und zu ein paar Äußerungen verlauten, in denen es darum ging, welche Bedeutung die Mondlandung für die Menschheit hat. Weltanschauungen müssen überdacht werden. Ansichten ändern sich. Wir alle kennen wohl die Aussagen von Astronauten, dass die Erde von „dort oben“ so klein und zerbrechlich aussieht. Wie eine kleine Insel, auf der von so weit oben keine Kriege, keine Grenzen gesehen werden können. Auch der „Weltraummüll“ hat mich letztendlich schockiert: Die Menschen haben gewissermaßen nicht nur einen bisher unberührten Ort eingenommen, sondern sie ließen darauf Dinge wie die US-amerikanische Flagge, Plaketten und sogar eine Tüte mit Müll zurück. Auch die Eagle, die Mondlandefähre, stürzte natürlich auch irgendwann durch die Mondanziehungskraft auf den Mond ab. Der Mond ist seitdem quasi „kontaminiert“ und das klingt erschreckend, wenn man bedenkt, welche Dinge, von Menschenhand gemacht, noch so im Orbit umherschwirren.

Das lasse ich an dieser Stelle so stehen und empfehle jeden, diese Biografie von Neil Armstrong, geschrieben von James R. Hansen, zu lesen! Ich verspreche euch, es lohnt sich!

Meine Bewertung im Detail

Handlung  ♥♥♥♥♥

Charaktere ♥♥♥♥♡

Sprache ♥♥♥♥♥

Emotionen ♥♥♥♥♥

Gesamt 4,75/5

 

4 Kommentare zu „Buchrezension: James R. Hansen – Aufbruch zum Mond. Neil Armstrong – Die autorisierte Biografie

Gib deinen ab

  1. Hey,
    Dieses Buch würde mich auch interessieren. 🙂 Finde die Geschichte von Astronauten sehr spannend! Schade allerdings dass Buzz Aldrins so schlecht dargestellt wurde. Ich kenn ihn von Twitter und finde ihn echt super.
    Liebe Grüße, Aurora

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Aurora 🙂
      Ich kann das Buch nur empfehlen 😊 ja, schade ist wirklich, dass Buzz ein paar Seitenhiebe bekommt. Am Ende wurde es noch mal etwas versöhnlicher, hatte ich das Gefühl. Aber da sollte man sich wohl einfach nicht zu sehr beeinflussen lassen von der Meinung im Buch – zumal es ja auch um Neil geht und nicht um Buzz 🙂

      Liebe Grüße,
      Jacqui

      Gefällt 1 Person

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