Buchrezension: John Green – Turtles All the Way Down

Autor: John Green
Buchtitel: Turtles All the Way Down
Ausgabe: 2017 in Penguin Random House Children’s
Erstausgabe: 2017
Seitenanzahl: 286

Wer von euch mag Jugendliteratur so sehr wie ich? Von Zeit zu Zeit verliere ich mich gerne in Jugendliteratur. Vor mittlerweile ca. 7 Jahren bin ich während meines Studiums auf John Green gestoßen, dessen Buch „The Fault in our Stars“ damals sehr gehyped wurde.

Da hörte ich überhaupt zum ersten Mal von dem Autor. Ich las das Buch und fand es zwar ein wenig vorhersehbar, jedoch konnte ich mich richtig gut in der Geschichte verlieren. Seither las ich nur noch „Paper Towns“ von ihm. Nachdem schließlich letztes Jahr überall „Turtles All the Way Down“ (auf Deutsch heißt das Buch „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“) in den Rezensionen und auf Bookstagram zu sehen war, hatte ich das Buch im Hinterkopf und kaufte es mir vor kurzem schließlich über medimops.

Worum geht’s?

Aza Holmes ist 16 Jahre alt und landet Hals über Kopf zusammen mit ihrer besten Freundin Daisy in einem Abenteuer um einen verschwundenen Millionär. Doch eigentlich ist es Azas geringstes Problem, das mysteriöse Verschwinden zu klären, denn sie hat genügend mit ihren eigenen Ängsten und Gedanken zu kämpfen.

Das Verschwinden um Mr. Pickett Sr. hält allerdings so einige Überraschungen für Aza bereit. So hat sie zum Beispiel wieder Kontakt zu David Pickett Jr., der Sohn des Verschwundenen, den Aza in jüngeren Jahren kennen und mögen gelernt hatte. Schon bald entwickelt sich mehr als nur Freundschaft zwischen Davis und Aza…

Daisy geht hingegen unerschrocken auf das Abenteuer und auf andere Menschen zu. Zusammen mit ihrer besten Freundin Aza geht sie durch gute und schlechte Zeiten, doch was am Ende wartet, ist nicht unbedingt ein Topf voller Gold…

Freundschaft und Liebe

Zu Beginn ist der Roman von John Green vor allem von der Freundschaft zwischen Aza und Daisy geprägt. Während Aza in sich gekehrt, ängstlich und sorgenvoll ist, ist Daisy genau das Gegenteil: sie redet viel, ist enthusiastisch und lebt für ihre Fanfictions aus dem Star Wars-Universum. Ich liebe es an dem Roman, dass er so einiges aus meiner Erfahrungswelt als Jugendliche widerspiegelt: Ich habe Fanfictions ebenso geliebt! Und so sehr es auch die Menschen um einen herum nerven kann, wenn man besessen von einem Film, einer Serie, einer Band oder einem Buch ist, so nachvollziehbar fand ich es doch, dass sich Daisy genau so verhalten hat.

Es dauert nicht lang und die Liebe hält Einzug in das Leben der Freundinnen: Daisy trifft sich kurze Zeit mit einem Jungen aus ihrer Schule und zwischen Aza und Davis entwickelt sich ebenso mehr. Dabei mag ich es besonders, dass die zwei so anders sind als andere Teenies. Aza wird zwar oft von ihren Gedanken gesteuert, aber sie hat so viele kluge Ideen und denkt so anders über manche Dinge nach, was sie mir sympathisch gemacht hat. Davis scheint hingegen nach außen wie ein typisch reiches Schnösel-Kind zu sein, doch eigentlich ist er ein lieber Kerl mit einem Faible für das Universum, die Sterne und Gedichte.

Das findet Aza heraus, indem sie nicht nur mit ihm redet, sondern auch alle Hebel des Internets in Bewegung setzt, um etwas über Davis herauszufinden. Dabei stößt sie auf seine persönlichen Blogs und liest seine Gedichte. Und ja, auch das erinnert mich an mich selbst, denn vor ein paar Jahren habe ich mich ganz genau so verhalten, um etwas über den Angebeteten herauszufinden 😉

Ich finde es allerdings auch wichtig und richtig, dass die Liebe nicht Oberhand nimmt in diesem Roman, denn neben Beziehungen und mysteriösem Abenteuer geht es vor allem um eines: psychische Gesundheit.

Psychische Erkrankung im Roman

Denn Aza ist nicht nur einfach ängstlich und in sich gekehrt. Ihr geht es teilweise richtig schlecht: Sie fühlt sich in sich selbst gefangen, sie kann nicht aus ihrer eigenen Haut heraus und das zerfrisst sie manchmal innerlich. Vor allem die Bakterien in ihrem Körper machen ihr zu schaffen: Sie hat ständig Angst, krank zu werden und daran zu sterben. Das hält sie auch davon ab, mit Davis glücklich zu sein, denn der Gedanke, dass seine Bakterien in ihr sind, macht sie fertig.

Ihre Art, damit umzugehen, ist das Pressen des Fingernagels in die Haut ihres kleinen Fingers. Das macht sie schon seit Jahren so, weswegen die Haut ständig entzündet ist. Immer wieder hat sie den Drang, die Wunde zu säubern, zu desinfizieren und ein neues Pflaster darum zu wickeln. Mit Desinfektionsmittel für die Hände geht sie großzügig um.

Und immer wieder sind da die Gedankenspiralen. Eine einzige, endlose Spirale, die kein Ende findet. Je tiefer man geht, desto enger wird es, und es gibt keinen Ausweg. Das ist zum Teil wirklich schlimm zu lesen und ich hätte ihr so gerne helfen wollen… aber damit ist es wohl wie im realen Leben: Nicht immer findet man die richtigen Worte oder die richtigen Taten, um jemandem mit einer solchen Erkrankung zu helfen.

Der Schreibstil

John Greens Schreibstil ist auch in „Turtles All the Way Down” gewohnt flüssig und angenehm zu lesen.

Eine Besonderheit ist für mich definitiv, wie er es schafft, Azas Gedanken zu Papier zu bringen und den Leser so mit in die Spirale zu ziehen, ein Gefühl für ihre Denkweise zu bekommen. Das schafft er, indem er zum Beispiel kursive und normal gedruckte Passagen abwechselt. Die kursive Schrift stellt dabei Azas Gedanken dar und die normale Schrift ihre rationalen Gedanken. Leider gewinnen oftmals die irrationalen Gedanken. Aber genau das ist es, worauf es bei ihrer Krankheit hinausläuft: Sie weiß, dass manche Dinge irrational sind, aber sie kann diese intrusiven Gedanken nicht steuern und muss sich ihnen oftmals ergeben.

Auch Wortwiederholungen oder das Wiederholen von einzelnen Passagen trägt dazu bei, dass wir Azas Gedankenspiralen besser verstehen. Alles in allem ist dieses Buch also sehr gut lesbar und zieht uns direkt in das Geschehen hinein, weswegen ich das Buch wohl auch extrem schnell durchgelesen hatte.

Meine Meinung

Immer wieder wird bei Büchern ja über Trigger-Warnungen diskutiert. Dieses Buch könnte man definitiv zur Diskussion hinzuziehen. Aber wer weiß, vielleicht helfen genau diese Bücher ja den Betroffenen? Oder den Angehörigen?

Es ist schließlich immer schwierig, die Gedanken eines psychisch Kranken nachzuvollziehen. Dieses Buch zeigt Nicht-Betroffenen jedoch, wie es in den Gedanken eines psychisch Erkrankten aussehen kann. Das hat John Green meiner Meinung nach super gemacht: Er hat es nicht nur geschafft, als Mann ein überzeugendes Bild eines Teenie-Mädchens darzustellen, sondern auch noch eines kranken Mädchens. Wobei – am Ende ist es vielleicht sogar egal, ob Aza ein Mädchen oder ein Junge ist…

Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der Jugendliteratur mag, die sich mit ernsten Themen auseinandersetzt, ohne aber zwischendurch die Leichtigkeit zu verlieren. Ich habe mich zumindest nie irgendwie erdrückt gefühlt vom Gewicht der Thematik, was aber auch das Leben allgemein widerspiegelt: Auch in schlechten Zeiten gibt es immer wieder Lichtblicke, denen man sich hingeben kann.

Besonders gut ist, dass am Ende des Buchs Anlaufstellen genannt werden, an die sich von der Thematik Betroffene wenden können. So hat man das Gefühl, keinesfalls damit alleingelassen zu werden.

Habt ihr das Buch gelesen? Was haltet ihr generell von Büchern mit einer solch schwierigen Thematik wie psychischen Erkrankungen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Meine Bewertung im Detail

Handlung ♥♥♥♥♥

Charaktere ♥♥♥♥♥

Sprache ♥♥♥♥♥

Emotionen ♥♥♥♥♥

Gesamt 5/5

 

 

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2 Kommentare zu „Buchrezension: John Green – Turtles All the Way Down

Gib deinen ab

  1. Hallo Jacqui,
    Dieses Buch hört sich toll an. Ich habe noch nie etwas von John Green gelesen, aber schon viel von ihm gehört. Ich mag tiefgründige Themen und die Charaktere klingen alle sehr spannend. Das Buch merke ich mir gleich mal vor.
    Liebe Grüße, Aurora

    Gefällt 1 Person

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