Rezension: Stephen King – Friedhof der Kuscheltiere (Hörbuch)

Autor: Stephen King
Titel: Friedhof der Kuscheltiere
OT: Pet Sematary, 1983
Erschienen: 2019 in Random House Audio
Gelesen von: David Nathan

Gut zwei Monate ist es nun her, dass ich „Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King als Hörbuch beendet habe. Das Hörbuch habe ich bei einem Facebook-Gewinnspiel der Buchhandlung Osiander gewonnen und habe mich sehr über den Gewinn gefreut 😊
Nun endlich schaffe ich es, eine Rezension zu dem Roman bzw. dem Roman in Hörbuchform zu schreiben. Begleitet hat es mich übrigens während meiner Irland-Reise im Mai, wenn ich im Flugzeug oder im Bus saß!

Worum geht’s?

Friedhof der Kuscheltiere“, wenn man diesen Titel hört, dann denkt man doch unweigerlich an Stephen King, nicht wahr? Noch bevor ich überhaupt ein Werk des Autors kannte, wusste ich irgendwie, dass dieses Buch von ihm stammt. Und dass die Kuscheltiere keinesfalls kuschelig sind.

Louis Creed bekommt einen Job als Leiter der Krankenstation an der University of Maine. Zu diesem Zweck zieht er mit seiner Frau Rachel und seinen Kindern Ellie und Gage sowie Kater Church (eigentlich Winston Churchill) nach Ludlow in ein altes Haus.

Schnell lebt sich die Familie ein und freundet sich mit den Crandalls, den Nachbarn, an. Vor allem in dem alten Jud Crandall sieht Louis einen Freund und eine Vaterfigur. Doch Merkwürdiges ereignet sich in der Stadt: An seinem ersten Arbeitstag erlebt Louis bereits einen Schock, da ein Student von einem Auto angefahren wird und mit zerschmettertem Kopf auf die Krankenstation gebracht wird. Kurz bevor der Junge dort stirbt, flüstert er Louis noch eine Warnung über den alten Tiefriedhof zu. Dieses Erlebnis begleitet Louis noch lange, der Junge erscheint ihm sogar im Traum.

Dieser Tierfriedhof, der von den Kindern der Umgebung mit „Haustier-Fritof“ (bewusst falsch geschrieben; im Englisch heißt es „Pet Sematary“ statt „Pet Cemetary“) betitelt wurde, ist wirklich ein merkwürdiges Gelände, denn nicht weit davon entfernt gibt es auch den alten Begräbnisplatz der Mi’qmak-Indianer, von dem man sagt, dass Tiere und Menschen, die dort begraben werden, wieder ins Leben zurückkehren. Doch sie sind danach nicht mehr so, wie sie zuvor einmal waren…

Eines Tages geschieht dann das Unglück: Rachel ist mit den Kindern bei ihren Eltern und Louis ist allein zu Haus. Kater Church wird tot im Garten des Nachbarn gefunden und Louis bringt es nicht übers Herz, dies seiner Tochter Ellie zu sagen. Da hat er die Idee: Er begräbt zusammen mit Jud den Kater auf dem alten Indianer-Friedhof und sie haben Glück: Church kehrt zurück!

Doch leider soll dies nicht die einzige Tragödie in der Familie bleiben, den Schlimmes ereignet sich in der Folge von Churchs Rückkehr…

Erwartungen vs. Realität

Bevor ich das Hörbuch angehört habe, hat mir einer meiner Kollegen, ein absoluter Horrorfilm-Fan, gesagt, dass er sich bei einem Horrorfilm selten erschreckt. Doch die Neuverfilmung von „Friedhof der Kuscheltiere“ hat es geschafft: Er hatte richtig Schiss.

Da wusste ich: Den Film werde ich so schnell nicht sehen, denn ich hasse Horrorfilme 😀 Aber Stephen King ist einfach ein Meister des Schreibens, und da ich sowieso gerade das Hörspiel bekommen hatte, dachte ich: Gut, dann lasse ich mich mal überzeugen. Meist finde ich Grusel in Büchern auf eine andere Art schlimm, weil man die Bilder im Kopf selber entstehen lassen kann, aber das ist für mich am Ende erträglicher als ein Film, in dem man jedes (blutige) Detail sieht und Jump Scares einen an die Decke gehen lassen.

Dementsprechende Erwartungen hatte ich. Dass ich richtig Angst bekommen würde. Ich muss aber sagen, diese große Angst blieb aus. Im Vergleich zu Stephen Kings „Es“ habe ich dieses Buch relativ gut vertragen, auch wenn viel Schreckliches und viele Tode involviert waren.

Vielleicht lag es daran, dass sich die Geschichte recht langsam entwickelt hat. Das Hörbuch ist auf 2 MP3-CDs aufgeteilt; Am Ende der ersten CD hatte ich das Gefühl, dass noch nicht allzu viel Gruseliges passiert ist.

Im zweiten Teil geschah das jedoch mit voller Wucht und da fing die Geschichte an, mich zu überzeugen: Die Qual der Eltern, mit den eigenen Kindern über den Tod sprechen zu müssen, war spürbar. Kleine Lügen, die von den Eltern erfunden werden, damit die Kinder Geschehenes verarbeiten können; und schließlich sogar der Moment, in dem Eltern mit der eigenen Trauer fertig werden müssen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Louis, aus seiner Perspektive wird erzählt und manchmal war ich mir nicht sicher, ob ich diesen Mann leiden konnte oder nicht. Andererseits: Wer kann es ihm verübeln, dass manche Dinge einfach schwer fallen zu verarbeiten oder zu akzeptieren?

Wir als Hörer nehmen Louis‘ Perspektive ein und sehen (bzw. hören) und erleben all das, was seine Frau und seine Kinder nicht mitkriegen. Das macht die Geschichte am Ende doch sehr spannend.

David Nathan als Sprecher des Hörbuchs

Normalerweise kommt bei einer Buchrezension hier der Abschnitt zum Schreibstil – in diesem Falle möchte ich lieber den Sprecher David Nathan noch einmal hervorheben. Viele kennen ihn als den Sprecher von unserem Lieblingspiraten Johnny Depp, aber auch im Horror- und Thriller-Sektor hat er in der Hörbuchszene Bekanntheit erlangt.

Und er ist wirklich eine tolle Wahl gewesen! Dank seiner Stimme habe ich mir Louis genau vorstellen können. Nathan spricht mit einer relativ tiefen und ruhigen Stimme, ohne jedoch einschläfernd zu wirken. Ganz im Gegenteil!

Auch die anderen Charaktere im Hörbuch hat er wunderbar intoniert. Die Geschwister Ellie und Gage waren von den Erwachsenen abgrenzbar, ohne aufgesetzt zu wirken (ist bestimmt nicht leicht, wenn ein Mann ein kleines Mädchen sprechen muss 😉 ), aber am allerbesten hat mir seine Stimme für Jud Crandell gefallen. Jud wird als älterer Mann mit einem krassen Dialekt geschildert. Nathan strapaziert das jedoch nicht über und erschafft so einen älteren Herrn, der sehr gemütlich und sehr zuvorkommend ist, dem man die Lebensjahre anhört und dem man auch anhört, dass er ein Geheimnis mit sich trägt…

Fazit

Auch wenn ich zur ersten Hälfte des Hörbuchs noch nicht ganz überzeugt von der Geschichte war, konnte die zweite Hälfte mich mehr mitreißen, da dort meiner Meinung nach die spannendsten Dinge passiert sind.

Wer ein Fan von spannender Literatur , mysteriösen Gestalten, alten Mythologien und einer überzeugenden Sprechstimme ist, der sollte sich „Friedhof der Kuscheltiere“ auf jeden Fall anhören (oder durchlesen).

Nun zu dir: Welche Bücher von Stephen King kennst du? Hast du „Friedhof der Kuscheltiere“ gelesen oder im Kino gesehen und wie hat es dir gefallen?

Meine Bewertung im Detail

Handlung ♥♥♥♥♡

Charaktere ♥♥♥♥♥

Sprache ♥♥♥♥♥

Emotionen ♥♥♥♥♡

Gesamt 4,5/5

7 Kommentare zu „Rezension: Stephen King – Friedhof der Kuscheltiere (Hörbuch)

Gib deinen ab

  1. Ich hatte eigentlich, da die Verfilmungen ja verbreitet und bekannt sind, einen aber gegen „noch einen dieser amerikanischen Autoren,“ die nur auf Effekte aus sind. Natürlich erschrickt man, aber was bleibt? Bis mir eine Kollegin – hihi, Horror, wir fuhren damals gerade Rettungsdienst, waren also von Splatterfilmen und dergleichen weniger oder besser auf die etwas andere Art beeindruckt, d.h., die meisten Zuhörer hätten eher unsere Kommentare abschreckend gefunden – auf meinen abschätzigen Kommentar, da sie gerade ein Buch von ihm las, erwiderte, dass ich nicht von den Filmen ausgehen dürfte, die seien schlecht, aber er schreibe gut. Seither habe ich auch das eine oder andere von ihm gelesen und muß ihr recht geben.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Kommentar 🙂
      Hihi, ich kann mir das nur zu gut vorstellen, auf welche Art ihr die Splatterfilme anseht – selbst für diejenigen, wie mich, die darin keine alltägliche Erfahrung mit Blutmassen haben, wirkt das doch manchmal lächerlich (aber nicht weniger abschreckend 😆). Ich finde auch, dass Stephen King so toll schreibt und es freut mich, dass du auch gute Leseerfahrungen gemacht hast 🙂

      Liebe Grüße,
      Jacqui

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  2. Die alte Verfilmung war mein erster Horrorfilm. Ich hab so hohe Erwartungen an die Neuverfilmung, dass ich mich noch nicht getraut habe sie zu sehn. Ich werde aber dem Hörbuch eine Chance geben. Nathan hat ne tolle Stimme.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Jacqui,

    eine wirklich tolle Rezension!
    Ich bin ein großer Fan von Stephen King, aber „leider“ ist dieser langsame Aufbau ja genau sein Ding. Friedhof der Kuscheltiere gehört tatsächlich zu den Werken, die ich noch nicht geelsen habe, nun habe ich aber umso mehr Lust das nachzuholen. Vielleicht sogar mit dem Hörbuch, denn der Sprecher scheint wirklich toll zu sein!

    Liebe Grüße
    Jill

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Jill,

      das freut mich, dass du nun Lust hast, den „Friedhof der Kuscheltiere“ auch einmal zu lesen oder zu hören 🙂 Die Stimme von David Nathan passt wirklich super zu dem Buch! An sich habe ich auch keine Probleme damit, wenn eine Handlung detailreich aufgebaut wird und es etwas langsamer vonstatten geht, aber ich glaube, ich bin nicht so der „geübte“ Hörbuch-Zuhörer und schweife zu schnell ab, wenn nichts passiert xD

      Liebe Grüße
      Jacqui

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