Buchrezension: „Es“ von Stephen King

Stephen King "Es"

Stephen King: „Es„. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1986; 11. Auflage 2011.

Inhalt

Wir schreiben das Jahr 1985: In der Kleinstadt Derry, im amerikanischen Bundesstaat Maine, hat eine Reihe grausamer Morde an Kindern und Jugendlichen begonnen. Mike Hanlon, der Bibliothekar der Stadtbücherei, dokumentiert diese Ereignisse detailgenau. Denn in ihm manifestiert sich eine Vermutung, die sich immer mehr bewahrheitet: Die Mordreihe gleicht ungefähr der von vor 27 Jahren… Beginnt es wieder von Neuem?

Die Geschichte von Es, dem namenlosen Monster, das sich seit Jahren oder vermutlich schon seit Jahrhunderten in Derry herumtreibt, wird in sechs Abschnitten erzählt und hat zwei Handlungsstränge: Einen im Jahr 1985, einen im Jahr 1957. Mike, der Bibliothekar, ruft nach den Geschehnissen in der Gegenwart seine Freunde von damals an, die es allesamt in unterschiedliche Richtungen verschlagen hat: Bill Denbrough, Ben Hanscom, Eddie Kaspbrak, Stan Uris, Richie Tozier und Beverly Marsh. Denn sie waren es, diese sieben Freunde, die im Jahr 1957 eine Gemeinschaft gebildet haben, den „Klub der Verlierer“, der Klub, der das Monster schon einmal in einen tiefen Schlaf geschickt hat…

Natürlich wissen wir wohl fast alle, wie Es sich am häufigsten zeigt: Als unheimlichen Clown Pennywise, mit gruselig geschminktem Gesicht, orangen Pompons an der Kleidung und Luftballons in den Händen. Doch oft nährt sich Pennywise von den Ängsten derer, die ihm gegenüberstehen: So taucht er auch als Frankensteins Monster, als Aussätziger oder als Mumie auf.

In Rückblicken wird erzählt, wie sich die Kinder ihre Erfahrungen mit Es gegenseitig erzählen und wie sie immer wieder mit dem unheimlichen Monster in Berührung kommen. Vor allem Bill, der seinen Bruder an Es verloren hat, ist jedoch entschlossen, diesen Morden und dem Schrecken ein Ende zu setzen. Als Kinder schafften es die Freunde schon einmal, Es zum Schlafen zu bringen… aber werden sie es schließlich als Erwachsene, sie zuerst ihre Erinnerungen an die Ereignisse wiedererlangen müssen, Es ein für alle Mal zu töten…?

Schriftstellerisch ein Meisterwerk

Es“ von Stephen King ist schriftstellerisch auf so vielen Ebenen wohl eines der besten Bücher, die ich gelesen habe.

Bereits inhaltlich ist dieser Roman doch ein kleines Meisterwerk: Da gibt es dieses Monster, das nicht einfach unerklärlicherweise da ist, sondern das sich von den Ängsten der Menschen, vor allem der Kinder, nährt. Angst macht es groß und Kinder haben eine so lebendige Fantasie und oftmals eine Angst, die sich in einer bestimmten Figur manifestiert, sodass Es bei den Kleinsten besonders leichtes Spiel hat. Dahingegen kann Es nicht einfach mit einer Pistole getötet werden: Dazu ist ebenso viel Fantasie und Hoffnung nötig!

In zwei Handlungssträngen, der Gegenwart und der Vergangenheit, zeigt King uns, wie sich Ereignisse wiederholen und wie die Freunde ihre Erinnerungen wiedererlangen. Neben dem Genre des klassischen Horrors finden wir hier außerdem eine wunderbar ausgearbeitete Coming-of-Age-Geschichte zwischen dem ca. 1500 Seiten starken Buch. Im Jahr 1957 sind die Kinder alle ca. elf Jahre alt und jeder von ihnen hat mehr oder weniger Probleme in der Schule, mit der Familie oder mit gehässigen Klassenkameraden. Zusammen merken sie, dass Freundschaft ein Band ist, das sie besonders stark macht, das aus Einzelgängern aufgeschlossene junge Menschen macht. Es verwundert außerdem nicht, dass sich die ersten Liebesgeschichten entwickeln, mit einem so wunderbaren und mutigen Mädchen wie Beverly in der Mitte der sechs Jungs.

Zusammen müssen sich die Kinder ihren tiefsten Ängsten stellen, um zu überleben. Doch nach den Vorfällen senkt sich ein langsames Tuch des Vergessens über die Kinder – ähnlich einer Verdrängungsmethode nach einem tragischen Ereignis, um psychisch damit zurechtzukommen.

Abwechslungsreicher Erzählstil

Auch schriftstellerisch gibt es so viele Subtilitäten, die den Roman einfach groß machen: Einzelne Worte, die sich in die Gedanken der nun erwachsenen Freunde schleichen und zunächst keinen Sinn ergeben, werden später von Bedeutung sein.

Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart gelingt King immer wieder grandios, indem er Sätze in einem Kapitel nicht beendet und im nächsten Kapitel diesen begonnenen Satz aufgreift und ihn in einer anderen Zeit weiterspinnt. So sieht kreativer Umgang mit verschiedenen Erzählsträngen aus!

Zwischendurch gibt es immer mal wieder Tagebucheinträge von Mike Hanlon, sodass auch der Erzählstil innerhalb des Buches immer abwechslungsreich bleibt.

Kurzum, ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der auf gut geschriebene Geschichten steht und der sich gerne ein wenig gruselt. Obwohl ich Horrorfilmen schon vor längerer Zeit abgeschworen habe, werde ich hier mal eine Ausnahme machen und mir sowohl die Verfilmung aus dem Jahr 1990 als auch die aus 2017 demnächst zu Gemüte führen.

Was denkt ihr über dieses Buch? Ist jemand unter den Lesern, der den Film bzw. beide Filme schon gesehen hat und vielleicht schon einen Vergleich zu dem Buch hat? Das würde mich sehr interessieren 🙂

Bis dahin, frohes Lesen und ein schönes Wochenende!

 

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About mademoisellepusteblume

Hi! Ich bin Jacqui und noch sehr neu in der Welt des Bloggings. Nachdem ich mir immer vorgestellt hatte, einen Blog über Dinge zu führen, die mich und möglicherweise auch Andere interessieren, setze ich dieses Vorhaben nun in die Tat um. Momentan bin ich noch Studentin der Film- und Medienwissenschaften. Ich liebe Bücher, Filme, Serien und Musik über alles. Auch Fotografieren, Sport machen, Sprachen und die Natur erkunden gehören zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich hoffe, die einen oder anderen Leser auf eine Reise durch meine Gedanken mitnehmen zu können!

3 Responses

  1. Ich habe den neuen Film gesehen und war schon etwas enttäuscht. Da die Verfilmung allgemein als sehr gelungen eingestuft wurde, liegt das aber wohl eher an meinen (überzogenen) Erwartungen, ‚Es‘ ist nämlich eines meiner absoluten Lieblingsbücher.
    Vor allem die jungen Schauspieler (Finn Wolfhard als Richie ist großartig!) machen den Film insgesamt nämlich sehr unterhaltsam. Mich persönlich stören nur immer die Unterschiede zwischen Film und Vorlage und da gibt es schon ein paar. Wenn man sich allerdings davon löst (was mir nur bedingt gelang), kann man sich den Film durchaus ansehen.

    Gefällt 1 Person

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