Buchrezension: Children of Blood and Bone von Tomi Adeyemi

Tomi Adeyemi (2018): Children of Blood and Bone; Henry Holt and Company; 532 Seiten

Hinweis: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Namen, Bezeichnungen usw. habe ich also größtenteils Englisch gelassen, wenn ich die deutsche Entsprechung bzw. Übersetzung in den Büchern nicht kannte.

Es liest sich wie die Beschreibung eines Horrorfilms: Der 32-jähriger Philando Castile ist mit seiner Freundin und deren Tochter im Auto in Minnesota, USA, unterwegs. Sie werden von der Polizei wegen eines defekten Rücklichts angehalten. Er teilt den Beamten mit, dass er eine Pistole mit sich führt, für die er eine Lizenz hat und noch bevor er den Polizisten seinen Führerschein zeigen kann, feuern diese Schüsse auf seinen Arm ab. Im Anschluss werden Freundin und Tochter im Kofferraum des Polizeiautos festgehalten. Das Ganze wird gefilmt und geht um die Welt.

Auch dieser Vorfall liest sich grausam: Im Bundesstaat Ohio in den USA wird ein 43-jähriger bei einer Verkehrskontrolle angehalten, da er vorn am Auto kein Nummernschild hat. Die Männer geraten in einen Streit darüber, ob der Fahrer einen Führerschein hat oder nicht. Der Streit eskaliert – der Polizist schießt dem Mann in den Kopf.

Was diese Vorfälle gemeinsam haben? Die Opfer waren dunkelhäutiger Amerikaner, die von Polizisten angegriffen, schwer verletzt und in anderen Fällen sogar getötet wurden. Eine lange Liste solcher Vorfälle könnt ihr in diesem Artikel aus der „Zeit“1 nachlesen.

Gewalt gegen dunkelhäutige oder einfach anders aussehende Menschen (wobei die Frage ist, was „anders“ bedeutet, denn wem „gehört“ schon ein Land? Und ist nicht jeder „anders“?) gibt es wohl schon so lange wie verschiedene Kulturen auf der Erde existieren und diese aufeinandertreffen. Durch Smartphone-Videos und schnelle Verbreitung durch das Internet ist in den letzten Jahren aber besonders die Polizeigewalt gegen dunkelhäutige Bürgerinnen und Bürger in den USA ins Bewusstsein getreten.

Über das Buch

Children of Blood and Bone Cover
Children of Blood and Bone – magisches Cover

Was diese düstere Einleitung zu bedeuten hat? Sie ist essenziell für das Buch von Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone (Legacy of Orïsha, Book 1), das ich gestern zu Ende gelesen habe. Ich suchte vor Kurzem ein Buch, das ich einfach unterwegs über die Kindle App lesen konnte und da ich sah, dass das Buch auf mehreren Insta-Seiten und Blogs gefeiert wurde, dachte ich mir, dass ich einmal reinlesen könnte. Dass mich ein so gutes Buch erwarten würde, hatte ich damals noch nicht geahnt.

Das Buch spielt im afrikanischen Land Orïsha, in dem König Saran über das Volk herrscht. Er ist jedoch nicht König aller Menschen: Bevölkerungsgruppen werden vom König unterdrückt und dazu gehören auch Protagonistin Zélie mit ihrem Bruder Tzain, die einem der vielen Maji Clans angehören (ein Stamm von Zauberern). Zauberei und Magie wurden elf Jahre vor dem Moment, in dem die Geschichte ansetzt, durch schlimme Angriffe und Überfälle durch die Männer des Königs ausgelöscht. Zélie und ihr Bruder Tzain werden schließlich von den Göttern auserwählt, die Magie wieder zu ihrem Volk zurückzubringen. Dabei werden sie unterstützt – von den Kindern des Königs Amari und Inan. Ob es ihnen gelingt und welche Herausforderungen sie bestehen müssen, solltest ihr definitiv selbst nachlesen. 😊

Adeyemi selbst ist nigerianisch-amerikanischer Herkunft und wurde unter anderem von oben beschrieben Vorfällen sowie von afrikanischen Gottheiten und Kulturen inspiriert, dieses Jugendbuch zu schreiben. Die Hauptcharaktere verkörpern das, was tagtäglich überall auf der Welt geschieht: Menschen angeblich „niederer“ Herkunft wie Zélie und Tzain werden verfolgt, ihre Heimat wird zerstört und sie werden gequält. Menschen angeblich „gehobener“ oder „besserer“ Herkunft wie die Königskinder Amari und Inan haben es im Leben bisher besser gehabt. Doch wie Amari und Inan sind nicht alle böse oder uneinsichtig: Im Gegenteil, zwischen den ganz unterschiedlichen Kindern lebt die Interkulturalität, die Freundschaft, die Liebe.

Dabei ist es sehr schön, wie sich die Charaktere entwickeln: Zélie erscheint zunächst als unangepasstes, unbequemes Mädchen, das in ihrem Leben Leid und Trauer erfahren musste.

„Fool yourself all you want, little prince, but don’t feign innocence with me. I won’t let your father get away with what he’s done. I won’t let your ignorance silence my pain.” (Zélie)

Doch sie hat auch einen starken Willen und sie hat so unendlich viele Gefühle, sodass ich oft mit ihr geweint habe.

Tzain ist der Bruder, der oftmals versucht, für Zélie die Stimme der Vernunft zu sein, doch das klappt bei diesem starken Mädchen nicht immer. Die Dynamik der Beiden ist wunderbar!

Amari stelle ich mir einfach als so süßes Mädchen vor. Sie ist die Liebe in Person. Scheint sie am Anfang noch körperlich und seelisch eher schwach, so zeigt auch sie im Laufe des Romans, dass sie stark ist und eine Menge Weisheit und Gefühl in ihr steckt.

„The gods have cursed me with you children”, he spits. “Traitors who stink of my blood.”
“Your blood is the true curse”, I snap back. “It ends today.” (Amari und König Saran)

Inan ist ein besonders interessanter Charakter. Bis zum Ende wird für mich nicht klar, wofür er wirklich steht und wie seine wahren Gefühle sind. Will er der neue König von Orïsha werden oder wird er zu Zélie stehen? Magie oder Regieren? Oder beides? Und wie würde er in dem Falle sein Königreich regieren?

Viele Fragen, die noch offenbleiben und möglicherweise eine Antwort im zweiten Band finden, das im nächsten Jahr erscheinen wird. Auch dann werde ich wieder lesen und in Orïshas Welt eintauchen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Jacqui

„We are all children of blood and bone. All instruments of vengeance and virtue.” (Zélie)

____________________________

Quelle: Geil, Karin (8. Juli 2016): „Polizeigewalt gegen Schwarze. Von Rodney King bis Alton Sterling“, in: Zeit Online. <https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-07/gewalt-gegen-schwarze-polizei-usa&gt;

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