Buchrezension: Aurora Ainsworth – Die Nebel von London

Autorin: Aurora Ainsworth
Buchtitel: Die Nebel von London
Erschienen: 2019 als Selfpublisherin bei Amazon
Seiten: 146

Stell dir vor, du würdest im viktorianischen England Ende des 19. Jahrhunderts landen. Allerdings nicht so, wie es wirklich war, sondern wie es alternativ aussehen würde! Genauer gesagt befinden wir uns im Steampunk-Zeitalter und sehen eine blühende Zukunft mit bahnbrechenden Erfindungen vor uns.

Wenn du nun neugierig geworden bist, dann solltest du dringend den Debüt-Roman „Die Nebel von London“ von Aurora Ainsworth lesen!

Worum geht’s?

In „Die Nebel von London“ geht es um die junge Rosalind Elmstone, die viel lieber die Zeit in der Werkstatt als auf Tanzbällen verbringt. Wie ihr Vater, ein genialer Erfinder, tüftelt auch Rosalind liebend gerne neue Konstruktionen aus. Doch im Gegensatz zu ihrem Vater, der sich auf Dampftechnik spezialisiert hat, zieht es Rosalind zu mit Elektrizität betriebenen Maschinen.

So bastelt sie an der Blitzmaschine und nur noch wenige Handkniffe trennen sie von der Fertigstellung der Maschine. Doch die Royal Society glaubt nicht an Rosalinds Talent – hauptsächlich, weil sie eine Frau ist und ihr daher nichts zuzutrauen ist. Zu allem Überfluss besteht Rosalinds Gouvernante darauf, dass sie einen Ball besuchen soll – natürlich in Begleitung eines extra engagierten Lords.

Doch dieser Tanzball dient nur einem Zweck: Rosalind soll entführt und als Druckmittel gegen ihren ebenso entführten Vater eingesetzt werden. Nur Lord Chamberlain, mit dem sich Rosalind anfangs gar nicht versteht, steht ihr bei dem Abenteuer zur Seite…

Setting und Charaktere

Wie schon anfangs erwähnt, befinden wir uns in London im Steampunk-Zeitalter. Steampunk bedeutet, dass eine alternative Welt imaginiert wird, die meist in der viktorianischen Zeit Englands spielt. Dabei stellt man sich vor, wie die Menschen früher alternativ die Zukunft gesehen haben könnten. Diese basiert, abgeleitet vom englischen Wort „steam“ für „Dampf“, vor allem auf mit Dampf betriebene Maschinen. Es gibt aber auch noch viele andere Unterarten des Steampunks, z.B. eine Zukunft, die auf Elektrizität beruht, oder auch den Atompunk oder den Clockpunk, in dem es mehr um Uhrwerkmechanismen geht.

Aurora hat die Atmosphäre des Steampunks in ihrem Roman wunderbar eingefangen! Das fängt an bei der Beschreibung der Charaktere – Rosalinds Freundin Parthenia trägt z.B. ein vielschichtiges viktorianisches Kleid – und geht weiter mit Waffen und Maschinen, die einfach perfekt zum Steampunk passen. Da wäre zum Beispiel die erwähnte Blitzmaschine, die die Dampfmaschine ersetzen soll. Dann gibt es noch wespenartige mechanische Insekten, die Menschen außer Gefecht setzen können, oder auch den Elektronator, eine Elektroschock-Pistole, die Rosalind höchst selbst erfunden hat.

Es ist wunderbar, in diese Welt abzutauchen und sich einer alternativen Realität hinzugeben!

Dabei sind natürlich nicht die verschiedenen Charaktere zu missachten, die die Geschichte lebendig machen. An erster Stelle ist da Rosalind Elmstone zu nennen. Sie ist mir von der ersten Seite an sympathisch gewesen! Diese Frau hat Mut, Erfindungsreichtum und ist nicht auf den Mund gefallen.

„Sie war Rosalind Elmstone, zukünftige Erfinderin der Blitzmaschine, und weder die Fitzgeralds noch ihr eigener Vater sollten sie unterschätzen.“

Das ist definitiv eine Kampfansage schon zu Beginn des Buchs 😉 Ich finde es toll, wie sie durchaus mal aneckt und ihren eigenen Kopf hat. Auch in Gefangenschaft lässt sie sich nicht unterkriegen, obwohl sie allen Grund hat, verzweifelt zu sein. Auch das Thema „Frauen in der Wissenschaft“, oder, ganz allgemein: Emanzipation, spielt hier eine große Rolle. Zu Beginn hält schließlich niemand sie für fähig, tatsächlich eine gute Erfinderin zu sein, geschweige denn, dass Frauen überhaupt etwas auf Universitäten zu suchen hätten. Das Blatt ändert sich im Laufe des Buches und damit überzeugt Rosalind nicht nur den hochnäsigen Lord Chamberlain, der mit ihr so manche Gefahr besteht.

Lord Chamberlain, der Castiel mit Vornamen heißt, ist nämlich einer der Herren auf dem Ball, die glauben, dass Frauen generell nichts im Kopf haben, und schon gar nicht Rosalind. Obwohl Castiel bei dieser anfänglichen Begegnung unsympathisch wirkt, schleicht er sich doch schnell in mein Leserherzchen mit der Zeit. Er wirkt ein bisschen trottelig und unbeholfen, aber er merkt doch schnell, auf wessen Seite er wirklich stehen soll. Zusammen mit Rosalind entkommt er vorerst den Entführern und unterstützt sie, wo er nur kann. Als am Ende schon alles aufgelöst scheint und Castiel sogar eine gute Partie zur Heirat angeboten wird, wendet sich noch einmal das Blatt und Castiel sollte sich spätestens dann bei den Lesern und Leserinnen beliebt gemacht haben.

Der Schreibstil

Die Nebel von London“ lässt sich wunderbar lesen und am Ende bekommt man den Eindruck, dass es viel zu kurz war!

Auroras Schreibstil ist sicher und die auktoriale Schreibweise ist wunderbar geeignet, um einen umfassenden Überblick zu erhalten. Sie schreibt der Zeit des Steampunks entsprechend und bleibt konsequent in diesem Duktus, was mir wirklich gut gefällt! Dabei schießt Castiel natürlich öfter mal den Vogel ab und man muss schmunzeln 😉

„Ich bin Lord Castiel Chamberlain und mein Vater persönlich hat mich gebeten, diesem Prozess beizuwohnen. Ich fordere Sie auf, uns sofort durchzulassen, es sei denn, Sie wollen, dass Ihr Vorgesetzter von Ihrem unerquicklichen Verhalten zu hören bekommt!“

Neben einigen ernsten und auch traurigen Stellen gibt es auch immer wieder etwas zu schmunzeln oder zu lachen.

„Habt Ihr mich vermisst?“
„Ungefähr so stark wie den von Maden befallenen Leichnam einer Ratte“, erwiderte Rosalind und schob sich genervt die Brille hoch.

Es gibt also von allem etwas und das macht das Lesen abwechslungsreich!

Meine Meinung

Wieder einmal habe ich hier ein wunderbares Buch einer Selfpublisherin gelesen! „Die Nebel von London“ von Aurora Ainsworth hat auf vielen Ebenen Spaß gemacht zu lesen: Die Zeit des Steampunks hat mich natürlich besonders gefesselt, ebenso die Geschichte, die sich um die Entführung von Rosalinds Vater entspinnt.

Es gibt Spannung, aber auch Trauer und auch einiges zu lachen, was für ein wunderbar abwechslungsreiches Leseerlebnis sorgt. Die Geschichte ist in sich geschlossen, aber würde theoretisch noch ein Schlupfloch für einen zweiten Teil lassen. Wer weiß, vielleicht werden wir eines Tages mit einer Fortsetzung beehrt? 😉

Vielen Dank noch mal an Aurora Ainsworth für das Rezensionsexemplar!

Auf Fanfiktion.de kannst du übrigens eine Leseprobe von „Die Nebel von London“ lesen!
Hier geht es zu Auroras Website!

Und nun bist du dran: Kennst du dich mit Steampunk aus und hast du schon mal einen Roman dazu gelesen? Erzähl mir in den Kommentaren gerne von deinen Erfahrungen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Jacqui

Meine Bewertung im Detail

Handlung ♥♥♥♥♥

Charaktere ♥♥♥♥♥

Sprache ♥♥♥♥♥

Emotionen ♥♥♥♥♥

Gesamt 5/5

Ein Kommentar zu „Buchrezension: Aurora Ainsworth – Die Nebel von London

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